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BeitragVerfasst: Fr, 12.11.04 8:55 
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Lese gerade das Buch "Gehörlose" die mir geliehen wurde. (Danke Gnädigste ;)

Wurde von Carol Padden und Tom Humphries geschrieben (Signum-Verlag, ISBN 3-927731-20-X. Ist ein Teil eines Bands? es steht nämlich da auch "Internationales Arbeiten zur Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser - Band 16")

Zwar lese ich mittendrin, jedoch ist das Buch wirklich wunderbar. Es ist schliesslich von beide gehörlose Autoren geschrieben.
Es fängt mit Einführung über Gehörlosenleben mit der Gebärdensprache an und setzt sich mit dem Thema Gebärdensprache fort. Entstehung der Formen, Unterscheidung zu andere Sprachen. GENIAL!

Diese ist scheinbar auf TS-Bücher nicht zu finden und daher ein wertvolle Tipp.

deafmax

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BeitragVerfasst: Mo, 7.3.05 21:19 
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Zwar lese ich mittendrin, jedoch ist das Buch wirklich wunderbar. Es ist schliesslich von beide [b]gehörlose[/b] Autoren geschrieben.


... und du meinst, dass beide autoren nix hören is ein garant für die genialität dieses buches? :-))) (du musst nich wirklich antworten - war eher ne rhetorische frage... 8) )

aber mal ernsthaft: is das buch auch als einstieg für anfänger geeignet????

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(peter radtke)


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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 8:48 
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@Jasmin, von signumverlag habe ich einige bücher, doch diese ist der erste "wissenschaftliches" Buch (für Anfänger) :)

@Juny, neee, es spielt eigentlich keine Rolle, ob die Autoren gehörlos sind oder nicht, das Buch ist für mich jedenfalls sehr gut geschrieben. Ich habe mich immer gefragt was mir in der Kommunikation von andere Gehörlosen unterscheidet. Und das buch zeigte mir dass ich ein "hörend-denker" bin (wie grauslik), aber erklärbar, warum ich lange zeit Schwierigkeiten hatte, die GS gut anzuwenden. Wenn ich mit ne volldeafie unterhalte ist es völlig anders als wenn ich mit hörenden die GS können unterhalte. Da kommt immer wieder meine Stimme hervor. Ich bin sozusagen gehörlosenseitig auch etwas kommunikationsbehindert.

Aber ich bin mit Abstand ein waschechter Deafie - was der Definition Gehörlos sein im Leben betrifft :p

Das mit der Genialität meinte ich, wie aufschlussreich das Buch ist. Ich habe das gefühl bekommen: Die Gehörlosen gehören alle zusammen, obwohl sie unterschiedliche Typen sein können.
Zu deiner Frage ob das buch ernsthaft für anfänger geeignet ist, würde ich meinen, dass man schon etwas mit gehörlosen zu tun haben müsste, ehe man das Buch liest. Zum Beispiel mein Chef wäre einer, wenn er sich fragt, warum ich mich von meiner gehörlose Kollegin unterscheide, denn ich bin "hörend-denker" und sie dagegen ist ein "gehörlos-denkender".

Lg deafmax

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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 21:42 
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@deafmax

"hörend-denkender" und "gehörlos-denkender" , ich weiß nicht, wie ich das verstehen soll. Denkt ein Gehörloser anders als ein Hörender? :o
Kannst du mir bitte diese Ausdrücke erklären?

Zitat:
... warum ich mich von meiner gehörlose Kollegin unterscheide ...


Unterscheidet sich ein Hörender nicht von einem anderen Hörender? :-? Wie ist die Frage gemeint?


Spargel


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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 22:15 
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gehörlos-denkender: ich denke in gebärdensprache, grammatik entsprechend. Viele die schlechte Schriftsprache haben, haben daher das problem, weil sie nicht gelernt haben die gs-grammatik in schrift-grammatik zu interpretieren und umgekehrt. Daher häufig das Problem mit der Schriftsprache (WICHTIGE ANMERKUNG: Problem Schriftsprache der Gehörlosigkeit hat ÜBERHAUPT nichts mit der Bildungsniveaz zu tun, denn sie sind durchaus kommunikationsfähig und wurde durch die Verdummungslehrpläne der Pädagogen ins Verderben geschickt)

hörend-denkender: ich denke deutsche schriftsprache, grammatik entsprechend und wenn ich einfach so "draufgebärde" ist ok. Ein Problem ist bei mir dann wenn ich an Grenze der GS stosse, da mir viel geringere Vokabel bekannt ist als die Schriftsprache - OBWOHL es viel mehr sein könnte. :evil: (Siehe diesen Thread)
Ich hatte mal ne Theaterauftritt als Erzähler. Ich habe mich SO geplagt ordentliche GS anzuwenden, indem ich Sätze auf Papier vorschrieb die entsprechend GS waren. Du - kommen - erzählen - geschichte (=Du bist gekommen und erzählst eine geschichte).
Da war ein Weltkongress 1995 in Wien dazwischen und ich machte bei einer Jugendcamp mit. Nur eine Woche lang. NUR eine Woche lang die Ewigkeit mit NUR Gehörlosen aus aller Welt. (Es war HERRLICH!)
Dann wieder denselben Theaterauftritt und ... ach es war soooo schön ... habe ich nicht mal denken müssen. Ich konnte fast selbst beobachten wir wunderbar ich ich in GS erzählt habe!

Nur mit der Zeit kehrte mein alte Stil wieder zurück, aber meine Einstellung wie wunderbar die Gehörlosigkeit ist, ist mir geblieben *kussdiegehörlosigkeit* :-)))

deafmax

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BeitragVerfasst: Di, 8.3.05 22:22 
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@Deafmax,
Wie ich die beiden ASL-Ausdruecke THINK-HEARING und THINK-DEAF verstehe, so in den USA, bist du gar nicht THINK-HEARING. Das Beherrschen von GS ist nicht der entscheidende Faktor fuer diese Bezeichnung. Es ist die Einstellung zur Taubheit und zum Taubsein. THINK-HEARING hat negative Uebertoene und beschreibt diejenigen, die nur sehr wenig vom Taubsein oder vom Leben in Taubheit wissen moechten und sich gerne wie Hoerenden gebaerden, z.B. die LKH Leute. Die richtigere Uebersetzung von THINK-HEARING ist "moechte-gern-hoerend". Du und ich sind STRONG-DEAF, die jemanden mit einer starken tauben Identitaet und einem starken Zugehoerigkeitsgefuehl zur Taubseinsgemeinschaft ausweist. Natuerlich sind Du und ich verschieden von der Masse Tauber wegen Bildung und Zweisprachigkeit und zuweilen Beruf. Taube Menschen sind unterschiedlich in Kompetenz beider Sprachen sowieso.

Das Etikett THINK-DEAF ist nur fuer Hoerende reserviert. Es bezeichnet die positive Einstellung zur Taubheit, vollkommene Enkulturation in die Taubseinskultur und Beherrschung der GS. Sie verbringen ihr Sozialleben groesstenteils in der tauben Welt.

Wichtig in diesem Buch ist aber die Gedanke von "Different Center" oder "Deaf/Hearing Center".

Andere Buecher, die Hoerende Einsteiger in die Taubseinskultur, das sind die Lerner der GS, lesen sollten, sind "Die Maske der Barmherzigkeit" von Harlan Lane und "Schweigende Stimmen" (Titel schlecht uebersetzt aus "Seeing Voices") von Oliver Sacks. Ich glaube, beide sind von Signum Verlag, Hamburg, erhaeltlich.

Hartmut


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BeitragVerfasst: Mi, 9.3.05 8:37 
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@Hartmut,
STRONG-DEAF? interessant und glänzt an dich ganz toll :-))) Allerdings ging ich von der System Gebärdensprache-Schriftsprache aus. Vielleicht ist da eine andere Umfeld die nicht direkt im Buch geschrieben wurde, aber ich habe damit eine Erklärung gefunden, warum ich lange solche Schwierigkeiten hatte die GS zu erlernen, obwohl ich deaf war. Das Problem in Österreich ist, dass die Gehörlosigkeit als Krankheit/Defizit empfunden wird und man krankhaft hörgerichtet auszudrücken versucht, da verlernt man es noch schlimmer.
Ich kenn da eine Situation bei einer Seminar hat sich ein deafie gegenüber Hd Seminargast krankhaft versucht zu sprechen, obwohl dolmi da war, aber er bekamm nichts gescheites heraus. Und später als ich ihn nochmals fragte, verstand ich ihn in reinem GS voll was er sagen wollte. Schöne Aussichten!
Er war gehörlos-denkender und kann deshalb nicht entsprechend der Deutschen Grammatik ausdrücken. Dabei ist anzumerken dass ich auf die Situation in Österreich rücksicht nehme. Hier ist GS verpönnt, nicht anerkannt, verachtet und damit kein wunder dass es so schwierig läuft.

Trotzdem danke für die Richtigstellung. Ich wollte einfach nicht von den Gehörlosen ausgenommen sein, nur weil ich gut schrieben kann. Mit dem Buch fiel mir ein, dass wir trotzdem zusammen gehören und in Bezug auf die Sprache anders denken.
Aber kommunikativ sind wir alle auf einer Ebene, was mir gut tut!

cu deafmax

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BeitragVerfasst: Mi, 9.3.05 16:01 
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@hartmut

Zitat:
STRONG-DEAF, die jemanden mit einer starken tauben Identitaet und einem starken Zugehoerigkeitsgefuehl zur Taubseinsgemeinschaft ausweist.


und was bin ich? LIGHT-DEAF? :wink:

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Die grössten Wunder gehen in der grössten Stille vor sich. (Wilhelm Raabe)


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Aloha beethoveny,

wie wäre mit einer Auswahl dieser Klassen? :-)))

HEAVY-DEAF?
MIDDLE-DEAF?
WELTER-DEAF?
FEATHER-DEAF?
BANTAM-DEAF?
BUTTERFLY-DEAF?

~Luke

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deitschsprachig? gebärdensprachig! :-)))


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[offtopic] :roll: jetzt fängts mit der Kategorisierung wieder an. Ihr Hellen![/offtopic]

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BeitragVerfasst: Mi, 9.3.05 19:18 
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@beethoveny,
ich kenne dich nicht, um dich mit DEAF oder STRONG-DEAF zu bezeichnen. Interessant, ich habe niemanden ueber sich selbst mit STRONG-DEAF beschrieben beobachtet. Das wuerde ungut als Prahlerei oder Angeberei empfunden. Das ist nur kein Identitaets-Etetikett, wie stark die Identitaet bei jemandem ist, sondern nur eine Beschreibung. Der Ausdruck wird auch fuer Familie wie in "ER FROM STRONG DEAF FAMILY" gebraucht im Sinne von "Taubheit vorherrschend ueber zwei/drei Generationen, fast alle in der Familie sind taub".

Ich habe auch nie Ausdruecken, die leichteren Grade der Identitaet anzeigen wie Lukbo spasshaft anfuehrt, gesehen. Es wird zumeistens nur von DEAF und wenn stark hervortretend STRONG-DEAF (oder synonym DEAF mit aufgeblaehten Wangen und betonter Handbewegung) gesprochen, aehnlich wenn man nur von "katholisch" und "streng katholisch" spricht.

Das Buch heisst doch "eine Kultur bringt sich zur Sprache", also man sieht die Kultur am existierenden Wortschatz.

Hartmut


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BeitragVerfasst: Mi, 9.3.05 19:24 
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@beethoveny,
ich kenne dich nicht, um dich mit DEAF oder STRONG-DEAF zu bezeichnen. Interessant, ich habe niemanden ueber sich selbst mit STRONG-DEAF beschrieben beobachtet. Das wuerde ungut als Prahlerei oder Angeberei empfunden. Das ist nur eine Beschreibung, nicht Identitaets-Etetikett, wie stark die Identitaet bei jemandem ist. Die Gebaerde wird auch fuer Familie wie in "ER FROM STRONG DEAF FAMILY" im Sinne von "Taubheit vorherrschend ueber zwei/drei Generationen, fast alle in der Familie sind taub".

Ich habe auch nie Ausdruecken, die leichteren Grade der Identitaet anzeigen wie Lukbo spasshaft anfuehrt, gesehen. Es wird zumeistens nur von DEAF und wenn stark hervortretend STRONG-DEAF (oder synonym DEAF mit aufgeblaehten Wangen und betonter Handbewegung) gesprochen, aehnlich wenn man nur von "katholisch" und "streng katholisch" spricht.

Das Buch heisst doch "eine Kultur bringt sich zur Sprache", also man sieht die Kultur am existierenden Wortschatz und vorherrschenden Wortgebrauch.

Hartmut


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BeitragVerfasst: Mi, 9.3.05 23:11 
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Ein Buchtip:
"Schule des Schweigens".
Es ist ein harter Krimi.
Aber der Autor hat sehr gut recheriert und
wer genau liest, kann aus der Handlung viel
über die reale "Deaf-Kultur" in USA erkennen!
Zum Beispiel: Spätertaubte werden in der
"Deaf-Kultur" gezwungen ihre gute Lautsprache
zu verleugnen, weil gut sprechen nicht
"political korrekt" ist!


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BeitragVerfasst: Do, 10.3.05 18:47 
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@CharlyBrown,
ich habe den Film "Schule des Schweigens" nur gesehen, aber nicht das Buch gelesen. Kannst du bitte eine Stelle zitieren, wo angegeben wird, dass "gut sprechen" politisch inkorrekt sei und Spaetertaubte ihr Sprechfaehigkeit verleugnen solle.

Was ich als sicher weiss ist, dass gutes Sprechen an sich vollkommen OK. ist, aber nur sprechen in Anwesenheit tauber Personen nicht. Gleichzeitiges Gebaerden und Sprechen wird weniger als OK angenommen, da die Qualitaet des Gebaerdens darunter leiden wird. Man spricht zwar Woerter gleichzeitig mit Gebaerden, wenn angebracht, aber nicht durchgehend in Saetzen.

Im Buch "Eine Kultur bringt sich zur Sprache" wird nur angegeben, dass die Sprechfaehigkeit als kulturellen Wert nicht hoch gestellt wird. D.h., man wird sich nicht zu sehr mit Sprechen plagen oder stark um Verbesserung der Artikulation bemuehen.

Hartmut


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