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BeitragVerfasst: Do, 7.10.04 15:52 
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Ich hoffe, ich habe das im richtigen Formum eingestellt. Die Sache ist ganz witzig und auch ein bisschen verrückt.


Hallo Zusammen!

Ich habe in den vergangenen Tagen einen kleinen Selbstversuch gemacht, der vielleicht einige von Euch interessieren wird. Ich möchte davon ein bisschen berichten.

Ich bin "guthörend", zumindest solange es still um mich herum ist. Doch schon bei mäßiger Geräuschkulisse gehe ich unter. Da ich nicht Lippenlesen kann, ist das z.B. im Bus oder in einer lauten Kneipe oft ein Problem - das kennen sicher auch viele von Euch.

Dennoch kann ich natürlich niemals mit "wirklich Hörgeschädigten" mitreden, da ich nicht weiß, wie sie sich fühlen. Dies wollte ich ein Stück weit ändern:
1. da ich als Sonderpädagoge ein gewisses Einfühlungsvermögen aufbringen muss und das auch sehr gerne tue.
2. weil ich normalerweise viel zu sehr auf das Hören achte und es mir schwer fällt genau hinzusehen. Da ich aber DGS lernen möchte, muss ich das üben.

Also habe ich mir Oropax gekauft. Ich habe sie einige Tage in Folge jeweils mehrere Stunden getragen. Die Idee wurde dadurch unterstützt, dass ich auf Prüfungen lernen musste - ich wollte meine Konzentration auf das Lesen verbessern.

Auf der Packung der Oropax steht "Schalldämmungswert: 33 dB". Viele von Euch liegen jetzt sicher lachend am Boden: "das nennt der eine Hörschädigung simulieren - Blödsinn".
Zugegeben, es fällt vermutlich in den Bereich "mittelgradige Schwerhörigkeit". Aber besser als nichts...

Zunächst zum Status quo: nachdem ich einige Anläufe gebraucht hatte, die Dinger richtig einzulegen (autsch, das kann auch weh tun), habe ich wohl die optimale Geräuschdämmung erreicht. Offensichtlich kommen hohe Töne besser durch als tiefe. Man hört mit den Dingern noch viele Geräusche allerdings von der Bandbreite her deutlich verzerrt. Das Fehlen tiefer Frequenzen fiel mich deutlich auf.
Wenn ich den Fernseher mit meiner Standardlautstärke eingeschaltet habe, konnte ich die Stimmen nur noch verstehen, wenn ich nahe heranging. Die normale Entfernung reichte nicht aus. Der Versuch mir bei einer niveauvollen Talkshow mit Lippenlesen zu behelfen scheiterte kläglich. Ich kann das einfach nicht (Hilfe, was kann ich tun?).


Was ist mir aufgefallen?

Ich konnte mich zunächst gar nicht besser konzentrieren. Im Gegenteil: ich hörte auf einmal deutlich den leisen Tinitus, den ich habe. Sonst fällt der mit nur auf, wenn ich Abends im Bett liege.

Man kann die eigene Stimme noch sehr gut hören. Viel besser als alle anderen Geräusche. Das irritiert ganz gewaltig.

Da ich mich sonst am ehesten akustisch orientiere, ist es eine große Umgewöhnung. Beispiele:
* der Kühlschrank macht nicht mehr das schnappende Geräusch wenn ich ihn zumache. Also musste ich immer kontrollieren ob er wirklich zu war - zu meiner Überraschung war er es aber. Gleiches gilt für die Wohnungstüre. Mein Gehirn war sehr irritiert.
* Meine Toastscheiben waren beim Essen schon etwas trocken. Erst als der Geruch zu mir durchdrang merkte ich, das der Toastvorgang schon minutenlang abgeschlossen war.
* Beim Literaturlesen für die Prüfung mache ich mir immer Notizen an meinem PC. Jedes Mal wenn ich etwas tippen wollte, wollte ich den Rechner anschalten! Grund: ich höre den Kühler nicht mehr, der mir sonst permanent Rückmeldung gibt: der PC ist AN!
* "Körpereigene Geräusche" werden intensiver und anders wahrgenommen. Jeder Schritt hört sich wie ein Trommeln in den Ohren an - sind das Vibrationen? Wie "hören" GL sich selbst laufen? Was hört Ihr vom Eurer Lautsprache?

Am Spannendsten fand das Autofahren:
Zuerst: wieder das Problem mit der Türe. Ist sie wirklich zu? Dann habe ich den Anlasser etwas länger drehen lassen, als notwendig gewesen wäre. Äußerst seltsam: vom Motorgeräusch hörte ich viel intensiver als sonst das Nageln meines alten Diesels heraus. Ist der Motor kaputt? Hört der sich immer so schlimm an? Normalerweise übertönt ein tiefes Brummen das Nageln.
Dann habe ich die Karre erst einmal kräftig auf Drehzahl gehalten - sonst ist das überhaupt nicht meine Art. Ich schaue sonst nie auf den Drehzahlmesser. Da ich mir an Geschwindigkeit UND Motorgeräusch orientiere, fiel eine Komponente weg. Es war schwieriger, den richten Schaltzeitpunkt zu finden. Ganz schlimm beim Runterschalten: bei der Zufahrt auf eine eben wieder grün werdende Ampel habe ich bei 55 km/h den 2. Gang gewählt (DIESEL - normal wäre der 4. ausreichend gewesen). Das muss laut gewesen sein!
Insgesamt bin ich schneller und aggressiver gefahren als sonst (uups schon 150 km/h?).

Am PC:
Ich vertippte mich viel öfter als sonst ! Das Klacken der Tastatur liefert aber keine Anhaltspunkte WELCHEN Buchstaben man tippt (ich schreibe blind). Deshalb verstehe ich das nicht. Kann mir jemand helfen?
Es machte mich verrückt, dass ich den Mausklick nicht höre. Oft habe ich Programme gleich zwei Mal gestartet, weil ich nicht wusste, ob ich schon einen Doppelklick gemacht hatte. Also schob ich gleich noch einen hinterher.

Kommunikation:
Weil es mir peinlich war, habe ich weder versucht zu telefonieren, noch bin ich mit den Oropax unter Menschen gegangen. Nur beim LBG Kurs im Schwerhörigenverein habe ich sie am Anfang drin gelassen.
* weibliche Stimmen hörte ich besser als männliche
* der erhoffte Effekt, die Verständnisschwierigkeiten würde ich mit besserem Hinsehen kompensieren blieb aus! Ich versuchte mich noch viel mehr auf das weniger Hören zu konzentrieren, das mir blieb. So war an Gebärdenlernen nicht zu denken, weil ich dauernd versucht habe mir die Wortfetzen zusammen zu reimen.


Diesen Versuch möchte ich gerne (öfter) wiederholen. Ich hoffe, dass ich eine Umgewöhnung erreichen kann. Damit möchte ich den Grundstein für DGS legen. Außerdem möchte ich die hörgeschädigten Menschen besser verstehen. Ich finde: sich einfühlen können, ist Basis jeder Kommunikation. Die "Technik" die man gebraucht (DGS, LBG, Mimik, Körpersprache, deutliches Sprechen etc.) kommt erst danach!


Was ich gelernt habe:

1. Man kann Gehörlosigkeit nicht simulieren. Selbst mit den besten Lärmstoppmaßnahmen wird man immer die eigene Stimme und Dinge wie Schritte oder das eigene Atmen hören (letzteres viel intensiver als sonst!).

2. Als Hörender ist es völlig unmöglich sich ganz in einen hörgeschädigten Menschen hineinzudenken. Mit viel Geduld, Interesse und solchen "Selbstversuchen" komme ich der Sache aber zumindest etwas näher. Es ist mein Wunsch die Menschen wirklich zu verstehen, mit denen ich rede.

3. Eine Hörschädigung bedeutet eine grundlegende Umorganisation der Wahrnehmung und vermutlich des Gehirns als ganzem. Als Hörender hat man viele Gewohnheiten, die einem erst auffallen, wenn man sie nicht mehr wahrnehmen kann. Ich kann mir nun gut vorstellen, dass viele von Euch ein bisschen anders denken als wir Hörenden. Sicher denkt Ihr sogar schneller und effektiver als wir. Ihr könnt Euch besser konzentrieren und habt mehr Ausdauer!

4. Kombinationsfähigkeit und Lippenlesen muss man von Klein auf lernen. Ist dies nur unzureichend geschehen, kann man das kaum nachholen. Hörende haben entscheidende Defizite in ihrer Kombinationsfähigkeit gegenüber Hörgeschädigten. Es zeigt sich, dass die Anregung und das Training des Gehirns, große Kapazitäten freisetzen kann, die sonst ungenutzt bleiben.
Lernen erfordert immer eine Irritation (so eine Lerntheorie). Wenn eine Verhaltensänderung notwendig ist (z.B. auf die Lippen schauen, weil man nicht hören kann) wird dies auch gelernt. Wenn die Irritation fehlt, lernt man auch nichts.


Ich werde in den nächsten Tagen den Selbstversuch fortsetzen. Ich bin schon auf neue Erkenntnisse gespannt! Ich würde mich über Kommentare dazu sehr freuen! Hat jemand etwas Ähnliches probiert? Wie seht Ihr als Hörgeschädigte solche Dinge?
Kritik? Anregungen?
Ich hoffe, Ihr fandet meine Ausführungen auch etwas witzig und nicht zu lang!


Noch etwas möchte ich hinzufügen. "Gut Hören" ist sehr relativ. Ein Freund von mir studiert Musik und hat das sogenannte "absolute Gehör" (erkennt Töne beim Hören "das ist ein a" etc.). Das beste aber war einmal die Aussage über sein Auto:
"Ich schalte immer, wenn der Motor auf f ' brummt." - Klar, ist ja auch das Naheliegendste!
Neben ihm, bin ich auch hörgeschädigt.

In diesem Sinne
viele Grüße

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Frei nach Cato: Ceterum censeo Oralismus esse delendam!


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BeitragVerfasst: Do, 7.10.04 18:37 
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Hallo Philippus,

ich finde es enorm, welchen Aufwand du für "empathische Übungen" betreibst. Für das Kuckucksnest, in dem es eher ein wenig wirr zugeht, eigentlich viel zu schade. Einverstanden, dass ich's zu den "Studis..." verpflanze?

Deine grundlegende Erkenntnis, dass Hörverlust nur ganz beschränkt simulierbar ist, ist rundum richtig. Was du von der Wahrnehmung der eigenen Stimme usw. schreibst, das beruht auf der sog. Knochenleitung. Die kann man beim besten Willen nicht abschalten. Aber in Bezug auf die Luftleitung kann ich dir einen Tipp geben: Nimm dir einen Walkman, MP3-Player o.ä. und lass es rauschen, laut rauschen. Da musst du dir was einfallen lassen, selbst Rauschen aufnehmen oder wie auch immer. Durch das laute Rauschen wirst du kaum noch was hören von der Umwelt.

Was Assoziieren und Absehen betrifft, siehst du's glaube ich zu negativ. Beides kann man auch in fortgeschrittenem Alter noch lernen. Z.T. ist es eher umgekehrt: Taub geborene verfügen nicht über Wortschatz und Satzmuster, um absehen und assoziieren zu können.

Na, dann weiterhin FF mit deinen Taubheitssimulationen! ;-)

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(Tucholsky)


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BeitragVerfasst: Do, 7.10.04 19:03 
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Hallo phillipus

deine Idee ist schön skurril und vieles,von dem was Du beschreibst,kenn ich als SH...

da Du den Sinn "Hören" eingeschränkt hast, wurde Dein Sinn "Sehen" auch stärker beansprucht als vorher oder musste anders eingesetzt werden. ( musste wegen deiner vielen Türenprüferei kichern.gut waren auch die toasts..)

Weiterhin so viel Power für solche Aktionen, die Taffe

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Carpe diem.


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BeitragVerfasst: Do, 7.10.04 21:13 
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Phillipus hat zwei grundsätzliche Probleme richtig
erkannt:
1. Hörende UND auch Schwerhörige wissen nicht,
was Taubsein wirklich ist.
2. Man kann Taubsein nicht mit Ohrenstöpseln
echt simulieren. Damit wird nur Schwerhörigkeit
mehr oder weniger gut simuliert.

Bernd, Dein Beitrag ist leider ein Beweis, wie wenig
Schwerhörige wirklich nachempfinden können, was
Taubsein bedeutet.


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BeitragVerfasst: Fr, 8.10.04 11:03 
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Worin siehst du den Beweis, Charly?

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BeitragVerfasst: Fr, 8.10.04 23:25 
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Hallo Phillippus und alle Anderen! :D

>Ich werde in den nächsten Tagen den Selbstversuch fortsetzen. Ich bin schon auf neue Erkenntnisse gespannt! Ich würde mich über Kommentare dazu sehr freuen! Hat jemand etwas Ähnliches probiert? <

Ähnlich wie Du lebe ich seit Geburt mit Sensorischen Integrations-Störungen. Aber bei mir ist nicht nur das Hören verzerrt und ich höre zu intensiv, nein alle Sinneskanäle nehmen zuviel auf bzw geben zuviel ins Gehirn und alle auch verzerrt. Das bedeutet gewaltigen Aufwand für mich, die Bedeutung daraus wieder zu ent-zerren und zu verstehen.

Seitdem ich 2002 mit dem Erlernen der DGS begann stand ich vor dem riesigen Problem, wie ich mein Hören besser gezielt abschalten kann, um die Kapazität in der Konzentration noch zu verbessern.

Versuche mit Oropax hatte ich schon Jahre zuvor unternommen und es gefrustet wieder aufgegeben. Denn das Oropax quietschte im Tastsinn bei jeder Bewegung meines Kiefers...furchtbar!

Wegen des DGS-Kurses hatte ich nun zuerst Versuche mit in Wasser getränktem Kleenex gemacht. Das klappte gut, aber meine Haut wurde wund davon.

Dann kam ich auf die Idee mit den Silikon-Ohrstöpseln. Die lassen sich so formen, wie ich das will, sie passen sich aufgrund der Körperwärme sehr gut dem Gehörgang an.

Wenn ich sie weit genug reindrücke, wird es wundervoll leise, ich kann die meisten Aussengeräusche tatsächlich endlich mal draussen lassen: Dann gibt es keine hochfrequenten Elektrogeräte mehr, die mich stören, keine Transformatoren der Halogenlampen tuten dann mehr, keine Glühlampen zeigen mir mehr an, welche demnächst durchbrennen wird.

Die Stimmen, die ich sonst auf grössere Entfernung gehört hatte, nehme ich in diesem Zustand nicht wahr. Ich sehe das Mundbild. Aber ich muss das auch nicht verstehen
Ich darf mir so erlauben, es zu geniessen, dass es um mich - endlich - mal leise ist! Ist das schön!

Die Mimik, das Mundbild, die natürlichen Gesten zu erleben, zu deuten...und ganz gelegentlich auch jemanden mit geschulten Gebärden zu sehen....oh, wie ich das geniesse!

Ich strenge mich jetzt einfach weniger an, als früher aus dem ganzen Stimmen-Wirrwarr das Gesagte zu entnehmen. Wenn die Geräuschkulisse nicht so richtig geeignet ist, dann möchte ich einfach von meinen Kindern, dass sie mit mir gebärden.

Es ist eine schöne Möglichkeit, dass ich meinem jüngeren Sohn jetzt vorschlagen kann: "Wenn es zu laut ist, dann mach doch einfach die HG´s aus und gebärde!" Manchmal macht er das auch. Allerdings versteht er mich besser, als dass er selbst gebärdet. Aber er fingert sehr viel besser als ich, und vor allem kann er ganz prima ablesen - im Gegensatz zu mir!

Heute war ich das zweitemal bei der Usher-Gruppe. Auch das Lormen zu erlernen, empfinde ich als riesige Erleichterung. Wenn das Licht zu grell ist....mein Kopf nur noch dröhnt und ich aufgrund der Sinnes-Überlastung kurz vor dem "Overload" bin, ist das Lormen für mich eine schöne Möglichkeit, dennoch noch kommunizieren zu können. Ich kann die Augen zulassen, brauche nichts hören....und kann dennoch meinem Sohn in der Bahn sagen, was nachher noch an der Reihe sein wird.

Wenn bei mir sowohl Sehen als auch Hören ausgeschaltet sind, ist mein Tastsinn am zuverlässigsten. Nachts bin ich darum am besten fähig, einen Teil meines Haushaltes zu machen. Alle Lampen sind dann aus und meine Augen sind geschlossen. Zugestöpselt bin ich dann sowieso, wie meistens. Mein Gleichgewicht und meine Orientierung im Raum klappen dann viel besser als am Tage.

Wenn jemand was zu "Overload" wissen möchte, der kann sich auch gern bei www.aspie.mela.de einloggen. Das ist ein Forum für Asperger-Autisten. Viele Betroffene dort sind so wie ich auch von Sensorischen Überempfindungen betroffen.

Liebe Grüsse von biene63


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BeitragVerfasst: Sa, 9.10.04 15:36 
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Bernd, sorry, ich hatte Deinen Beitrag beim "schnellen lesen"
als "negativ" gegenüber Phillipus empfunden.
Ich bin durch über vierzig Jahre "stocktaub leben" etwas
sensibel gegenüber manchen schwerhörigen Gl, die sagen:
"Der Hörstatus ist unwichtig..." usw.
Ist ein anderes Thema.


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BeitragVerfasst: Sa, 9.10.04 20:55 
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@biene63
ich bin fasziniert und auch erschrocken über deine beschreibung! hausarbeit im dunkeln u. mit watte in den ohren...lormen...habe versucht mir vorzustellen, was du beschreibst über deine sinne. totale reizüberflutung. das muss die nerven echt fertig machen. bei anderen hörenden würde ich denken, die wissen nicht was sie da verzapfen, wenn sie vom wunsch nach totaler stille usw. schreiben.
aber bei dir verstehe ich das total. doch sieh es einmal so: du bist etwas ganz besonderes. ich würde mich nicht wundern, wenn du über-sinnlich begabt wärst!
ich wünsch dir viel glück beim versuch, etwas zur ruhe zu kommen!
@philippus
deafmax hat irgendwo in einem anderen thread auch jemand einen tipp gegeben. glaube, knete in die ohren oder so...aber ganz simulieren kann man taubheit tatsächlich nicht. blindheit wohl schon eher.
beethoveny


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BeitragVerfasst: Sa, 9.10.04 23:05 
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Hallo! :D

@Beethovenny: >doch sieh es einmal so: du bist etwas ganz besonderes. ich würde mich nicht wundern, wenn du über-sinnlich begabt wärst! <

Danke für Deinen Zuspruch :-)))

Hmm, aus Sicht von Sh und Gl bin ich vielleicht was Besonderes, kann sein.

Aus Sicht von ADS-Betroffenen und / oder Asperger-Autisten ist diese Art der permanenten Sensorischen Überbelastung, aber ein Teil "des Normalen-Alltags"!...Meint: die meisten der ADSler oder Autisten sind irgendwie auch von Sensorischen Integrations-Störungen betroffen. Gibt da Übersensivität, Untersensivität und "weisses Geräusch"....und dann gibt es ganz viele Möglichkeiten, dass die Sinne innerhalb des Gehirns verzerrt verarbeitet werden.

Regelmässige Spezial-Begabung von ADS-lern: Wir haben dauernd Ideen. Recht oft sind sie sogar vielfach brauchbar... :wink: Leider kommen die Ideen so schnell, dass man nur einen winzigen Bruchteil davon festhalten kann, und kann sie schon gar nicht alle allein ausführen!

Darum war ja auch mein Vorschlag an Euch: Schaut mal in ein anderes Forum rein, wo es immer wieder mal auch ums Hören geht: www.aspie.mela.de

Liebe Grüsse von biene63


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 Betreff des Beitrags: Viele Antworten, bitte Geduld
BeitragVerfasst: So, 10.10.04 14:27 
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@ALL

Wie ich sehe, wurde mein Thema gut angenommen und es gibt interessante Beiträge. Leider bin ich immer noch voll im Prüfungsstress und kann daher nicht antworten. Ich werde mich aber baldmöglichst (frühestens nach Mittwoch) wieder in die Diskussion einklinken und freue mich schon darauf!

Danke jedenfalls für die Beiträge!

Viele Grüße

_________________
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BeitragVerfasst: So, 10.10.04 20:53 
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Is gut, Philippus, wir ham ja alle Zeit der Welt!;)

und dein Versuch ist lustig :-)))


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BeitragVerfasst: Mo, 11.10.04 20:06 
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Philippus...

amüsier uns weiterhin! Ich fand deinen Kollegen mit dem absoluten Gehör lustig ;)

bin schon gespannt auf deine nächsten Erkenntnisse 8)


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 Betreff des Beitrags: gesammelte Antwort
BeitragVerfasst: Do, 14.10.04 16:14 
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So, nun sind alle Prüfungen rum. Jetzt habe ich wieder mehr Zeit und kann mich hier beteiligen. Zunächst einmal danke für Eure Beiträge. Ich finde es höflich, zu allen Kommentaren kurz ein paar Sätze zu sagen:

@Bernd:
Danke für die Tipps. Ich denke aber, dass ich bei Oropax bleibe. Wie gesagt, ich habe oft Schwierigkeiten, weil ich zu viele Geräusche gleichzeitig höre. Wenn ich mir ein lautes Rauschen ins Ohr stöpseln würde, würde ich vermutlich ziemlich schnell wahnsinnig werden. Beim Lernen reicht mir nämlich schon das Ticken der Wanduhr und das Brummen des Anrufbeantworters voll und ganz.
Assoziieren und Ablesen: mag sein, dass ich dazu einfach nicht "begabt" bin. Möglicherweise würde ich es doch noch lernen, wenn ich auch mein Gehör verlieren würde. Im Moment aber scheinen meine Bemühungen erfolglos.

@Taffe Frau:
Ja, es wäre schön, wenn ich mein Sehen besser einsetzen könnte, wenn ich das Gehör einschränke. Das muss ich aber noch üben.
Freut mich, dass ich Dich mit meinen Türen belustigt habe. Ich fand es auch witzig. Allerdings merkt man daran eben, was wirklich anders ist. Manche, selbstverständlichen Dinge vermisst man erst dann, wenn sie weg sind. Das habe ich auch gelernt.
Interessant: selbst beim Überqueren einer Straße schaue ich kaum hin - ich verlasse mich ganz auf mein Gehör. Ich war erschrocken, als ich dies neulich auch mit den Oropax tat - das hätte böse enden können.

@CharlyBrown:
Dein Beitrag hat mich kurz wieder den Unterschied zwischen GL und SH vor Augen geführt. Durch eine gute Freundin (GL mit CI), die in beiden Welten lebt, habe ich das schon gelernt. Mir ist sowieso klar, dass ich GL-Sein niemals simulieren kann. Ich will das auch nicht auf Biegen und Brechen tun - ich will nur etwas leichter verstehen können, wie die Lebenswelt von SH aussieht. Damit habe ich dann einfach einen besseren Zugang. Außerdem hat das SH-Sein für meine Prüfungslernerei sehr geholfen!

@biene63:
Ja, Dein Bericht hat mich auch etwas mitgenommen. Eines meiner Prüfungsthemen war gestern auch Gestützte Kommunikation. Dazu habe ich auch die Autismusbeschreibungen von Dietmar Zöller, Donna Williams und Birger Sellin gelesen. Die beschreiben ähnliche Dinge. Ich selbst bin davon aber nicht betroffen. Ich habe bestenfalls eine leichte Form von ADS: wenn es laut um mich herum ist, verstehe ich einzelne Leute nicht mehr. Optisch fällt es mir schwer Dinge zu fixieren - ich schaue lieber etwas "leer" mit Rundumblick usw. Deine Situation ist natürlich eine gänzlich andere. Meine Ohrstöpselaktion sollte zwar auch meine Konzentration verbessern, hatte aber nicht die Wirkung, wie Du sie beschreibst. Hmmm das macht einen natürlich nachdenklich - viele Menschen wünschen sich bessere (Primär-)Sinne. Da dies eine Qual sein kann, stellen sich die meisten dabei nicht vor.
Darf ich etwas indiskret fragen: hast Du auch Probleme mit der Propriorezeption (der muskulären Rückmeldung über die Stellung Deiner Körperteile) und der Sensorik allgemein, wie es häufig bei Asperger-Autisten beschrieben wird?
ADS und Begabung: ein Dozent von uns sagte mal "Jeder gute Manager hat ADS". Stimmt, es sprudeln oft viele Ideen, aber dann fehlt doch der Antrieb. Man fängt vieles an aber bringt selten etwas zu ende. Das kenne ich auch in Ansätzen.

@Beethoveny:
Danke für den Tipp, aber wie bekomme ich die Knete wieder aus dem Ohr raus? Neee, das lass ich mal lieber...

@zoercherin:
Naja, ich möchte mich nicht zum Affen machen. Aber warum soll es nicht auch mal lustig zugehen. Ich werde sicher weiterhin ein bisschen SH sein und ein paar Beobachtungen machen um sie hier zu ergänzen.
Ja das mit dem absoluten Gehör ist auch witzig. Noch ne Story: ich zeigte ihm damals mein 1. eigenes Auto. Ich war stolz darauf, dass der Wagen trotz seines Alter schon einen Warnsummer hatte, der mir mitteilte, wenn ich das Licht anließ. Mein Kumpel sagte daraufhin nur "hat mein Auto auch, ist nur einen Halbton tiefer".
Außerdem finde ich die Drehzahl bei "f" deutlich zu hoch - also ICH schalte bei meinem Auto schon bei "e".

In diesem Sinne viele Grüße

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BeitragVerfasst: Mo, 13.12.04 21:32 
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Wohnort: Schleswig-Holstein
Hi Phillipus

hast du mal wieder einen Versuch unternommen? Würd gern mal wieder lesen,was Dir dabei so passiert.

Bin gespannt,ob es noch einen Versuch dazu geben wird.

Adventliche Grüsse, die Taffe

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Carpe diem.


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BeitragVerfasst: So, 19.12.04 21:25 
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Beiträge: 478
Wohnort: Arlington, MA - USA
Eine geeignetere, jedoch nicht vollkommene Simulierung, wie das Taubsein sich erlebt, waere das Schauen des Bildes ohne Ton auf dem Fernsehgeraet, besonders bei den Nachrichten. Zwar hoeren wir kaum, aber die Stille macht das Taubsein nicht vollkommen aus. Das Nicht-Vernehmenkoennen von Information macht das groesste Teil des Taubseins aus.

Hartmut


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BeitragVerfasst: Mi, 2.2.05 22:07 
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Toller Bericht Phillipus, ähnlliches habe ich auch feststellen können als wir bei uns an der Schule den gleichen "Versuch" gemacht haben.
Wurlitzer


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BeitragVerfasst: Do, 3.2.05 21:51 
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Registriert: Mi, 2.2.05 19:45
Beiträge: 9
Wohnort: Wurlitz
Stimmt man hört immer noch, nur eben gedämpft. Es geht eigentlich ja eher darum mehr Empatie zu entwickeln. Genau wie bei den anderen Selbsterfahrungen in dieser Richtung (Rollstuhl, Blindheit) ist aber immer im Hinterkopf das man wieder aufhören kann wenn man will und das ist für mich der größte unterschied.

Wurlitzer


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BeitragVerfasst: Sa, 16.4.05 18:10 
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Wohnort: Wolfsburg
Toller Versuch! :) Wir haben im Rahmen unseres Taubblindenseminars letzte Woche auch einen Selbstversuch mit Oropax und Augenbinde unternommen. Die ersten Minuten waren schlimm, ich habe ständig die eine Hand vor meinem Kopf ausgestreckt gehabt, weil ich dachte, ich laufe gleich irgendwo gegen, obwohl ich geführt wurde. Das hat sich aber recht schnell gegeben und ich habe meiner Führerin "blind" vertraut - sie hat das echt prima gemacht. Andere haben ihren "Taubblinden" doch mal gegen eine Tür geführt, die zu schmal war...

Wir hatten zuvor das Lormen und taktiles Gebärden geübt und das hat schon ein wenig geholfen, aber sonst hat man von der Umgebung wirklich nicht viel mitbekommen. Allerdings war ich erstaunt, wieviele Infos man doch über den Tastsinn aufnehmen kann (z.B. Sonne, Wind, Gras vs Zement, etc).

Ich muß sagen, daß mir dieser Versuch sehr gefallen hat (naja, was soll ich sagen, wir wußten daß er nach 15 Minuten wieder vorbei ist) - einfach nur, um sich mal wieder bewußt zu machen, daß man noch andere Sinne als Augen und/oder Ohren hat...

Noch eine Beobachtung, die ich an mir gemacht habe seit ich studiere: Ich sitze nun oft mal am Computer und habe KEINE Musik an - vorher habe ich immer irgendwie "Krach" um mich herum gebraucht, also Musik, TV, etc...Aber nun ist es auch mal schön, etwas weniger Geräusche um mich herum zu haben...

Schönes Wochenende

Sabine


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