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BeitragVerfasst: So, 25.4.04 6:09 
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Morgen, es wird hier soviel diskutiert, was wäre, wenn man plötzlich nicht mehr hören würde, wie ist das wenn...
Was wäre, wenn es möglich wäre, ohne viel Aufhebens wieder zu hören???Warum wird darüber nicht diskutiert?
Ich für meinen Teil würde endlich ins Theater gehen und Opern anhören, einer gut geschulten Stimme im Rundfunk zuhören, in den Wald gehen und der Natur zuhören. Möglichst kein Gequatsch und Gezänk anhören müssen, keine häßliche Stimme anhören müssen... meinen Familieangehörigen zuhören, wie sie sprechen, aber ansonsten möchte ich meine Ruhe haben.

Ich hätte Ruhe vor Bevormundungen, vor Diskriminierungen, vor Ärger mit anderen Menschen, von denen ich weiß, dass sie Ärger machen. Herrlich zu sagen "könnt mich mal..."Ich wäre neugierig, was andere Teilnehmer schreiben würden, nur nichts von glücklich sein etc.etc...


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BeitragVerfasst: So, 25.4.04 9:43 
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Super Thema!

Wenn ich plötzlich wieder hören würde, würde ich erstmal ein paar Luftsprünge machen, die Briefe, die wegen der Untertitel zum Beschweren an den ORF gedacht sind , zerreißen, die Schule abschließen, meinen Wunsch erfüllen: studieren und den Doktor für Informatik und den Doktor für Philosophie holen. Und dann würde ich als Dolmetscher arbeiten. Ich werde trotzdem, auch wenn ich hören würde, bei den Gehörlosen bleiben. Wozu kann ich denn Gebärdensprache ;)

Wäre das Wunder schön!!!

Greetz,


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BeitragVerfasst: So, 25.4.04 11:31 
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Hi! :D
interessantes thema!

ich kann euch als hörende nur sagen,dass hören einerseits sehr schön sein kann,aber auch tierisch nervt!

@auerhahn:

wenn ich nur das hören könnte,müsste was ich will,dann wäre es natürlich fantastisch!wie du schon sagtest,mit theater und oper gehen,radio hören,etc.

aber!:
kein gequatsche und gezänk anhören müssen,dass ist fast(nein nicht nur fast),es ist einfach unmöglich!
leute diskutieren in der u-bahn,maulen wenn ihnen irgendetwas nicht passt,...
vor allem du würdest viel mehr von den streiten deiner eltern,oder freunden mitbekommen, :agrue: was wirklich nicht das allerschönste ist!
abgesehen davon sind da leider noch all die leisen oder oft lauten nebengeräusche,die dir kopfschmerzen bereiten können und sich nur nicht abstellen lassen!
bestes beispiel: im winter werde ich regelmäßig um fünf uhr in der früh geweckt,wenn unten der hausmeister beim schneeschippen steht!oder die müllmänner veranstalten einen furchtbaren lärm!

ruhe vor bevormundung hättest du nur in gewisser art und weise!das ist bei kinder und jugendlichen allgemein so!du bist noch nicht alt genug für dies,viel zu unerfahren für das...

aber nun genug von den lästigen dingen des hörens!
es ist natürlich auch wunderschön!richtig wenn du sagst der natur zuzuhören!es ist wunderbar!:D


frage an euch beide:habt ihr das schon mal aus der negativen sicht betrachtet?

bin gespannt auf eure antworten! :D
lg sunnygirl :angel:


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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn
BeitragVerfasst: So, 25.4.04 15:58 
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Beiträge: 1345
@sunnygirl

Ich bin auf das Thema heute aufgrund von drei Eindrücken gekommen. Man möge mich entschuldigen, dass ich es nicht gleich schrieb.
Der erste Eindruck war die Sendung "Sehen statt Hören",
die die Gebärdensprache in Schrift am PC aufzeigte. Eine mühselige Sache, mir würde die geduld fehlen. Der zweite Eindruck war die Stellungnahme einer schwerhörigen Schreiberin zu Umstellungen in einer Berliner Schwerhörigenschule. Sie fürchtet sich vor der Umstellung ihrer Schule zu den Gehörlosen.

Schießlich der dritte und letze Eindruck hatte ich von einem abgedruckten Interview mit einem bekannten Arzt bei uns in Östereich. Er führe aus, dass er wissenschaftlich an einem Vorhaben beteiligt ist, nach dem man Zellen aus dem Fruchtwasser bilden könnte. Diese Forschungsarbeit würde in zehn bis zwanzig Jahren revolutionär sein und Behinderten helfen.
Sozusagen aus dem Glas Zellen für sehen, hören, laufen entnehmen, das ist heute noch Utopie. Aber es ist klar, dass sich der Staat um die Forschung kümmern muß. Da bin ich halt auf das Hören gekommen, nicht wegen den Pillen hiezu. Sondern
wenn man die Menschen in den Kriegsgebieten im TV sieht, man weiß, dort unter den gegebenen Umständen behindert leben, ist hart. Egal, ob einer nicht mehr sieht, hört oder läuft.


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BeitragVerfasst: So, 25.4.04 16:58 
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Beiträge: 92
Wohnort: München
@auerhahn
entschuldigung angenommen :D
interessante argumente,die du vorgebracht hast!
stimmt,gerade in kriegsländern ist das eine ganz andere situation!aber ich dachte gerade für behinderte menschen in kriegsgebieten gibt es organisationen,ich weiß es nur vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz,meine mutter arbeitet nämlich beim Bayrischen Roten Kreuz)!
was die schreiberin angeht,denke ich,gibt es andere die nicht ihrer meinung sind!
na ja,aber nun mal zu sehen statt hören!ich glaub einfach,dass es viel einfachere methoden geben würde!aber zum einen fehlen die finanziellen mittel,wie überall anders auch,und zum zweiten bin ich der meinung,dass es allein schon an der bereitschaft der gesellschaft mangelt!zum beispiel:
an den schulen könnte man den lehrplan gewaltig ändern und zear auf beiden seiten!ich meine an den schulen für hörgeschädigte könnte man doch mehr wert auf die deutsche grammatik legen,als auf eine korrekte aussprache!und an den anderen müsste es doch genauso möglich sein einen wert auf die gebärdensprache zu legen!ich meine es ist ja ganz toll,dass man alle kunststilarten kennenlernt,und die komponisten der letzten zweihundert jahre aufzählen kann,aber wäre es denn nicht wichtiger,erst ein mal in der lage zu sein,mit all seinen mitmenschen problemfrei kommunizieren zu können???
aber das kann noch jahrtausende dauern,bis man einmal so weit ist!

na ja danke jedenfalls für deine aufklärung! :D
ach ja!hast du schon mal über die negativen seiten des hörens nachgedacht? :D
lg sunnygirl :angel:


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 10:38 
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Registriert: Do, 11.3.04 12:07
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@ Auerhahn

(...Was wäre, wenn es möglich wäre, ohne viel Aufhebens wieder zu hören??? Warum wird darüber nicht diskutiert?...)

Also, ich für meinen Teil habe sehr (!) lange über Dein Post nachgedacht! Für meinen Teil kann ich nur schreiben:
Ich würde es Euch gönnen....

nur....: würde die Tatsache des Hörens Euch auch so vom eigenen Sein, vom Wissen, von der Feinfühligkeit mit dem Umgang von Mitmenschen, mit Nachdenken, mit euren ausgeürägten Instinkten usw...
so auch lassen wie ihr jetzt seid?

Schau, Auerhahn....wärst Du dann auch noch der jenige, so, wie ich ihn habe kennenlernen dürfen?
"DEN" Auerhahn?
So wie er jetzt ist? Mit allem drum und dran??

Würdest Du nicht auch so werden wie alle anderen?
Abgestumpft, aggressiv, egoistisch, gefühlskalt, überheblich, gestresst, zugetextet, genervt, usw, usw....

(... Familieangehörigen zuhören, wie sie sprechen, aber ansonsten möchte ich meine Ruhe haben...)

Auerhahn: wie meinst du denn das?
Ist das kein Widerspruch?
oder: genau damit muss ich mich als Hörende auseinander-setzen!! Es ist nicht einfach... ohne seines eigenen Willens zugetextet zu werden:-)) und dennoch seine Ruhe haben zu dürfen!!

(...Ich hätte Ruhe vor Bevormundungen, vor Diskriminierungen, vor Ärger mit anderen Menschen, von denen ich weiß, dass sie Ärger machen...)

Ruhe? Ruhe vor den Punkten, die Du da geschrieben hast??

NEIN!! Dann fängt das Ganze ja erst recht an!

Als Hörender darfst Du dir dann ja alles anhören, weil Du hören könntest / kannst!!
Dann beginnt die Spirale erst und sie zieht an Dir und zieht...
Du kannst Dich nicht dagegen wehren. Du bist verflucht in alle Bereiche Deines Lebens mitzumachen!!!

Sie gönnen Dir keine Ruhe. Sie gönnen Dir keine persönliche Freiheiten mehr. Sie umklammern Dich und drücken leicht aber bestimmt zu und schnüren Dir so die eigene Lebensluft ab! Es ist ein Sterben auf Raten! Langsam aber sicher!
Nur: nicht Du bestimmst den Zeitpunkt!!

(....Herrlich zu sagen "könnt mich mal...)

Auerhahn: das sage noch nicht einmal ich zu meinen Mitmenschen!
So etwas darf man nur denken :-)))
Sonst reden die Betroffenen überhaupt nicht mehr mit Dir...
wegen persönlicher Beleidigung, Gekränktsein usw...

(...Diese Forschungsarbeit würde in zehn bis zwanzig Jahren revolutionär sein und Behinderten helfen.
Sozusagen aus dem Glas Zellen für sehen, hören, laufen entnehmen, das ist heute noch Utopie....)

Als ich das gelesen habe, habe ich aber mächtig inne gehalten! Diesen Satz muss sich erst in den Gehirnwindungen festbeissen!!
Wäre echt klasse, wenn solche Forschungen diesem Zwecke dienen würden!
Aber bisher hat die Geschichte uns etwas anderes gelehrt! Leider!
(ist meine persönliche Meinung!! Bitte nicht falsch verstehen!!)

Grüsse


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 10:39 
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Beiträge: 104
@ Auerhahn

(...Was wäre, wenn es möglich wäre, ohne viel Aufhebens wieder zu hören??? Warum wird darüber nicht diskutiert?...)

Also, ich für meinen Teil habe sehr (!) lange über Dein Post nachgedacht! Für meinen Teil kann ich nur schreiben:
Ich würde es Euch gönnen....

nur....: würde die Tatsache des Hörens Euch auch so vom eigenen Sein, vom Wissen, von der Feinfühligkeit mit dem Umgang von Mitmenschen, mit Nachdenken, mit euren ausgeprägten Instinkten usw...
so auch lassen wie ihr jetzt seid?

Schau, Auerhahn....wärst Du dann auch noch der jenige, so, wie ich ihn habe kennenlernen dürfen?
"DEN" Auerhahn?
So wie er jetzt ist? Mit allem drum und dran??

Würdest Du nicht auch so werden wie alle anderen?
Abgestumpft, aggressiv, egoistisch, gefühlskalt, überheblich, gestresst, zugetextet, genervt, usw, usw....

(... Familieangehörigen zuhören, wie sie sprechen, aber ansonsten möchte ich meine Ruhe haben...)

Auerhahn: wie meinst du denn das?
Ist das kein Widerspruch?
oder: genau damit muss ich mich als Hörende auseinander-setzen!! Es ist nicht einfach... ohne seines eigenen Willens zugetextet zu werden:-)) und dennoch seine Ruhe haben zu dürfen!!

(...Ich hätte Ruhe vor Bevormundungen, vor Diskriminierungen, vor Ärger mit anderen Menschen, von denen ich weiß, dass sie Ärger machen...)

Ruhe? Ruhe vor den Punkten, die Du da geschrieben hast??

NEIN!! Dann fängt das Ganze ja erst recht an!

Als Hörender darfst Du dir dann ja alles anhören, weil Du hören könntest / kannst!!
Dann beginnt die Spirale erst und sie zieht an Dir und zieht...
Du kannst Dich nicht dagegen wehren. Du bist verflucht in alle Bereiche Deines Lebens mitzumachen!!!

Sie gönnen Dir keine Ruhe. Sie gönnen Dir keine persönliche Freiheiten mehr. Sie umklammern Dich und drücken leicht aber bestimmt zu und schnüren Dir so die eigene Lebensluft ab! Es ist ein Sterben auf Raten! Langsam aber sicher!
Nur: nicht Du bestimmst den Zeitpunkt!!

(....Herrlich zu sagen "könnt mich mal...)

Auerhahn: das sage noch nicht einmal ich zu meinen Mitmenschen!
So etwas darf man nur denken :-)))
Sonst reden die Betroffenen überhaupt nicht mehr mit Dir...
wegen persönlicher Beleidigung, Gekränktsein usw...

(...Diese Forschungsarbeit würde in zehn bis zwanzig Jahren revolutionär sein und Behinderten helfen.
Sozusagen aus dem Glas Zellen für sehen, hören, laufen entnehmen, das ist heute noch Utopie....)

Als ich das gelesen habe, habe ich aber mächtig inne gehalten! Diesen Satz muss sich erst in den Gehirnwindungen festbeissen!!
Wäre echt klasse, wenn solche Forschungen diesem Zwecke dienen würden!
Aber bisher hat die Geschichte uns etwas anderes gelehrt! Leider!
(ist meine persönliche Meinung!! Bitte nicht falsch verstehen!!)

Grüsse


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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn
BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 11:23 
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Beiträge: 1345
@Inuitdog
Deinen Ausführungen bin ich mit Vergnügen gefolgt, das genau ist das Thema.
Die Menschen die an vielbefahrenen Straßen wohnen, beschweren sich sooft in der Zeitung über den Straßenlärm. Es gibt nachts oft heftige Gewitter und morgens fragt mich die Nachbarin, ob ich gut geschlafen hätte, sie hat geglaubt, die Welt geht unter und ich schlief(den Schlaf des Gerechten).

Wenn ich die "Liebesparade" im TV sehe oder Popkonzerte denke ich immer, die Leute werden noch einen "Hörsturz" bekommen. Und vor allem denke ich mir, wie sieht es bei denen zuhause aus? Vielleicht ist der Gedanke nicht üblich.
Man färbt ab in seinem sozialen Umfeld, das stimmt. Ich möchte auch nicht viermal am Tag hören, daß frühmorgens die Milch übergegangen ist.

Ich wäre so gerne gefühlskalt, abgebrüht und saugrob und frage mich, wieso ich das nicht kann. Andere können es ganz prima nur bei mir klappt es nicht, da fehlte was bei der Zusammensetzung.Andererseits ein älterer Gehörloser muß sich wappnen gegen Bevormundung durch Behörden, Vorschreibungen etc.ec.Ansonsten Deine Ausführungen waren ein vergnüglicher, nachdenklicher machender Beitrag.


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 11:35 
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Solche hypothetischen Was-wäre-wenn-Fragen haben ja immer einen gewissen Reiz. Allerdings kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich letztlich nur um eine intelektuelle Spielerei oder Spiegelfechterei handelt - ohne ernsthaften Bezug zur Realität. Das wird - IMHO - z.B. aus den Worten von Inuitdog deutlich. Aus Auerhahns Worten spricht zwar eine Anschauung, die ich nicht in allen Punkten teile, aber doch eine Erfahrung, die ich im Großen und Ganzen kenne.

Inuitdog stellt z.B. die Frage, ob man sich durch das Wieder-Hören-Können in seiner Persönlichkeit verändern würde. Klar, würde man! Genauso wie man sich verändert hat, als einem mehr oder weniger plötzlich der Ton abgeschnitten wurde. Es fiele einem dann z.B. leichter auf andere Leute zuzugehen, aus seinem Schneckenhaus herauszukommen, in das sich viele verkriechen, wenn man nix mehr hört. Man könnte sich mit all den netten Menschen unterhalten, denen man täglich begegnet!

Augenwischerei ist doch die Implikation, man würde ein "schlechterer Mensch", wenn man wieder hören könnte, man würde (Zitat) "Abgestumpft, aggressiv, egoistisch, gefühlskalt, überheblich, gestresst, zugetextet, genervt, usw, usw.... ". Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich Menschen kennengelernt habe, die so sind, wie Inuitdog sie beschrieben hat, ja, aber das waren sowohl Hörende als auch Gehörlose! So what?

Ich frage mich, ob Hörende, die von den Vorteilen der Ruhe schwärmen und über diese ach so laute Welt jammern, nicht von eigentlich anderen Problemen ablenken, nämlich Problemen in der Kommunikation untereinander. Es ist schon erstaunlich wie viel heiße Luft heute produziert wird, das ist richtig. Aber Flucht ist keine Lösung.

Pnin


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 12:41 
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@Pat, naja. wenn du doktor in der Informatik wärest, würdest du mit Dingen beschäftigen die soviel zeit brauchen, daß du immer weniger mit Gehörlosen zusammen sein könntest. Der Kontakt wird immer kleiner und dann vielleicht verschwinden. Aber dran erinnern wirst du immer. Ein schöner Traum ;)

@inuitdog, ich leg deine Worte in meinen Herzen! Das ist das warum ich glücklich mit meinem Leben bin!
Nicht dass das Hören so schlimm ist, sondern weil ich ein Leben führe, das die Probleme der Hörenden nicht kennt :) Mir ist die "Probleme" der Gehörloser viel lieber als die von Hörenden. Aber dieser Zitat trifft nur mich zu, es heisst: Jedem das Seine.

leise und ohne Lärm in der Stille:
was wäre wenn ich hören würde?
Welch Schreckensgedanke. Mich zittern schon die Hände! Das ist das allerschlimmste wovor ich im Leben fürchte!
Ich bleibe lieber bei der "Einbildung" was hören ist. Hören zu können will ich niemals. So wahr ich lebe und deafmax heisse :-)))
cudeafmax

_________________
Gehörlos sein ist Leben.


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 14:11 
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@ Auerhahn

(...die Leute werden noch einen "Hörsturz" bekommen...)

Du bekommst nicht "nur" einen Hörsturz!
Auf Dauer wird man TAUB!! Bei längerem Inhalieren:-)
Drama in einer tragischen Kommödie?
Wenn du vor einer Musikbox stehst und Dich Minutenlang volldröhnen hast lassen (müssen), hast Du ein Rauschen im Ohr!
Ausserdem legt sich ein dumpfer Schleier auf den Gehörgang.
Dann ist halt der Ton dumpf...
wenn es sich lichtet, stellst Du erschrocken fest:
vorher war's irgendwie anders das Hören!
Bei Musikern zum Beispiel eine Folgeerscheinung ihres Dasein!

(..Man färbt ab in seinem sozialen Umfeld, das stimmt. Ich möchte auch nicht viermal am Tag hören, daß frühmorgens die Milch übergegangen ist..)

Ich gebe Dir Recht: man färbt ab... Man passt sich an. Man unterwirft sich... (grausam!)

(...Ich wäre so gerne gefühlskalt, abgebrüht und saugrob und frage mich, wieso ich das nicht kann. Andere können es ganz prima nur bei mir klappt es nicht, da fehlte was bei der Zusammensetzung...)

Auerhahn: mit diesen Gefühlen wird man nicht geboren.
Es ist das Ergebnis von Jahrelangen draufrumhackens von aussen auf seine eigene Person. Du wandelst dich.
Baust eine Mauer um Dich herum.
Höher. Dicker. Breiter.
Das ist eigene seelische Folterung.
Du igelst dich ein, damit Dir keiner mehr "weh" machen kann.... da innen drin im Herzen!
Du wirst nicht nur alleine in Deinem Dasein... nein, die fortgeschritten Variante des Übels ist die „Einsamkeit“!!

Bis eines Tages....
Du diese Angelegenheit überprüfst, weil Du einen Satz vorgesetzt bekommst, der wie folgt lautet:

Sie (damit sind die Mitmenschen gemeint) können Dir nichts anhaben! Sie können Dich nur an Deiner Ehre, an Deinem Stolz verletzten - aber NIE an Deiner Seele!!
Verletzter Stolz und verletzte Ehre: das ist das was du als Schmerzen empfindest! Aber Deine Seele bleibt eigens DIR!

(das schrieb mir ein durch einen Unfall Ertaubter Mitmensch!!!...)

Das habe ich mir dann ausgedruckt und jahrelang vor Augen gehalten!

(...Andererseits ein älterer Gehörloser muß sich wappnen gegen Bevormundung durch Behörden, Vorschreibungen...)

Protest!! :-)))
Glaubst Du etwas ich müsste mich nicht von Zimmer zu Zimmer schicken lassen und die Launen der Staatsdiener ertragen ??? *heul*
Nein, ich bin der Auffassung, da haben wir gemeinsam eine Hürde!

(...Ansonsten Deine Ausführungen waren ein vergnüglicher, nachdenklicher machender Beitrag..)

Du weisst ja: Lehrer und Schüler ;-))

@ pnin

Ja! Es ist eine Spielerei mit dem „was-wäre-wenn“!!
Philosophie! Und möge das Internet vollgestopft sein mit diesem Thema!! Vielleicht hilft es ja!!
Aber es ist Realität!

Ich finde es auch sehr wichtig! Die Auseinandersetzung mit dem was - wäre - wenn...
Wir haben, ob Hörend oder Nichthörend, alle unser Päckchen zu tragen und es steckt gerade bei diesem Thema des Spiels sehr viel Tiefenpsychologie dahinter.
Ich denke, dass wir alle in einer durchsichtigen Kugel sitzen.
Ich schreiben etwas. Du kannst es lesen.
Du schreibst etwas. Ich kann es lesen.
Wir können vielleicht die Hände aufeinander legen - es bleibt aber die Blase der Kugel um uns. Wir spüren uns nicht einmal. Aber wir sind uns nahe.
Es ist eine Annhäherung aufgrund eines Themas.
Philosophisch. Spielerisch. Aber tief ernst!
Wie sonst?
Wo ist der Anfang dieses Knäuels? Gibt es eine andere Möglichkeit des gemeinsamen Verstehens?
Wenn ja - welche?
Wir sind uns doch alle bewusst:

Der Zustand lässt sich nicht ändern. Wir können nicht mehr tun, als uns gemeinsam auf einen (vielleicht) sehr brüchigen Steg zu begeben. Ich persönlich stehe mitten drauf auf diesem Steg.
Und ich ahne, dass er zu brechen droht und ich vielleicht im Wasser stehe! Aber tief in mir hege ich die Hoffnung, dass ihr alle am Ufer steht und mir die Hände reicht!

(...Aber Flucht ist keine Lösung...)

Flucht! Ein Wort das sehr viele Facetten aufweist!
Ich könnte vor meinen Problemen flüchten
(sofern welche vorhanden *grins*) aber es gibt ein Gesetz:
die Probleme kommen irgendwann einmal wieder. Stehen unverhofft vor Dir und genau in dem Augenblick wo man sie gar nicht gebrauchen kann und will.
Also wäre es besser sie gleich aufzuräumen...(!?)

Ja, ICH JAMMERE!! Weil ich hier sitze und schreiben will:
aber da draussen irgendein Nachbar erst seinen Rasen mähte und jetzt mit einem Dampfstrahlgerät seine Mauer säubert!!
ICH WILL JA NUR MEINE RUHE!! *lach*

Ich weiss auch das es Unterschiede gibt zwischen Ruhe, Stille, „der“ Stille, hörend, nichthörend... usw...

Mir alles sehr (!) bewusst! Aber ich will „spielen“, will ja philosophieren, denn einen anderen Weg füreinander zueinander kenne ich nicht.
Es ist wie ein Strohhalm in einem Meer!

@ deafmax

(auf Dich habe ich mit voller Sehnsucht gewartet!!)

Deine Worte sind wie Extase...
Du machst mich „high“...
Das ist wie ein Trancezustand... -
Du bist eine einzigartige Bewusstseinserweiterung mit Suchtfolge!!!!!

Grüsse

:dogrun:


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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 22:26 
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Siehe nächsten Beitrag.


Zuletzt geändert von CharlyBrown am Di, 27.4.04 23:35, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Di, 27.4.04 23:31 
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Beiträge: 1141
Zu diesem Thema denke ich ähnlich wie Pnin.
Das grundsätzliche Problem ist, Taubheit mit Stille und Ruhe
zu verwechseln.
Lärmgeplagte hörende KollegenInnen haben mich manchmal
beneidet, weil ich in jeder Situation ruhig und konzentriert arbeiten konnte.
Aber bei Besprechungen, Seminaren, Lehrgängen zur
Weiterbildung und überhaupt bei der alltäglichen
Kommunikation im Berufsleben, war ich benachteiligt.
Hören ist für Hörende so normal wie atmen oder Herzschlag.
Hörende können sich garnicht vorstellen, wie es ist, in
einer Gemeinschaft hörender Menschen taub zu sein.

Deafmax, Du schreibst sehr schöne Beiträge zum Thema
Stille. Du bist von Geburt taub?
Oder sehr früh ertaubt?
Du sagst, Du bist glücklich, weil Du taub bist.
OK, das ist Deine ganz persönliche Meinung.
Ich bin glücklich, weil ich trotz Taubheit beruflich erfolgreich
war und jetzt als Rentner relativ gut lebe.
Aber die Mehrheit der Gl lebt nicht so glücklich in der
hörenden Welt!


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BeitragVerfasst: Mi, 28.4.04 10:25 
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...ist "glücklich sein"

nicht nur eine Momentaufnahme im Leben eines Menschen?...

@ CharlyBrown

Mir persönlich, wie schon erwähnt, ist das was Du schreibst völlig klar. Dennoch:

ist der Punkt doch der von Auerhahn auf philosophischer Ebene....
"was wäre wenn...."

Mich persönlich juckt da ja auch der Gedanke:

welchen Ton Auerhahn als erstes hören möchte,
wenn es wäre...
so wie er wollte...
wenn er könnte...


Grüsse


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BeitragVerfasst: Mi, 28.4.04 19:49 
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@Charly,
ja, sehr früh ertaubt. sodass ich mich nicht mehr ans hören erinnere.

Das man mit Taubsein glücklich sein kann mein ganz persönliche Meinung ist, stimme ich nicht ganz voll zu. Ich bin überzeugt, mehr oder weniger Gehörlosen können auch die Einstellung haben, mit dem Gehörlossein trotzdem glücklich zu leben. Neulich wurde unter meine engsten Freunden auch debattiert, wieso die Männer nicht das tun, was frauen sich wünschen oder im Hinterkopf etwas von ihnen erwarten. Nicht immer passiert es doch, daß die Frauen sich dann freuen, wenn Männer überraschend oder den erwartungen entsprechend was tun. Und umgekehrt ist es sowieso nicht anders.
Dasselbe sehe ich bei den Menschen. Wer anderen nicht sagt oder erzählt a lá "Reden wir übers Leben" dann bleibt es immer verborgen. Aber leider ist das allein nicht die Lösung, denn Menschen sind oft darauf aus, DAS-zu-bekommen-was-sie-wollen, ohne wenn und aber. Da kann ich nichts machen.
Aber ich gebärde und rede immer gern davon, wie schön Taubsein kann. Obs was bringt oder nicht, habe ich keinen Einfluss.

Z.B. die "Was wäre wenn.."-Frage ist ein typischer Menschengedanke, ganz wie Pnin schrieb: ganz schön reizend, beängstigend unwiderstehlich.
Und das endet eh immer nur wie Inuitdog treffend schrieb...
"was wäre wenn...
wenn es wäre...
so wie er wollte...
wenn er könnte...
undsoweiter...
"

Aber hat man schon dran gedacht:
"Was wäre wenn ich taub bin und es liebe?"
"Was tue ich, wenn Taubsein wunderbar ist?"
"Was wäre wenn ich dankbar, daß ich ertaubt bin und so wie ich jetzt bin?"
"Was wäre wenn ich das hören nicht vermisse?"
"Was wäre wenn ich Mut und Kraft habe glücklich mit dem Gehörlossein zu leben"
...die Antworten stehen viel mehr in greifbarer Nähe als andersrum.
Ich geh mal jetzt raus - sternenklarer Himmel bald voller Silbersterne - und plaudere wieder mal im Gedanken so vor mich. Bin schon gespannt was für Antworten mir so mal heute einfällt ;)

Mann, das nenne ich wahrhaftig Leben!

Ciaoooo deafmax

_________________
Gehörlos sein ist Leben.


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BeitragVerfasst: Mi, 28.4.04 21:08 
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Beiträge: 104
@ deafmax

(...wieso die Männer nicht das tun, was frauen sich wünschen oder im Hinterkopf etwas von ihnen erwarten. Nicht immer passiert es doch, daß die Frauen sich dann freuen, wenn Männer überraschend oder den erwartungen entsprechend was tun. Und umgekehrt ist es sowieso nicht anders...)

Das kann ich Dir erklären, mein Tranquilizer!!

Männer und Frauen haben eine unterschiedliche Gehirnstruktur.
Frauen sollen demnach sich mit der Gehirnhälfte,
die die Feelings beinhaltet, leben und existieren.
Männer sind eher die logische Gehirnhälfte.

Frauen müssen demnach den „Herren“ der Schöpfung
eine genaue Information geben:
Beispiel: „Trage den Mülleimer hinunter...“

Wenn Frau den Müll nur so hinstellt, in der Hoffnung,
dass ihr „Herr und Gebieter“ sich endlich einmal bequemt den Eimer runter zu bringen:

kann Frau leider schwarz werden vor Warten! :bad-words:

Ihrem „Herrn und Gebieter“ fehlt schlichtweg die Information.
Und fühlen tut er sowieso nichts!!

Andererseits, von Natur aus so vorgesehen, kommt „Mann“ durch die Tür und Frau „fühlt“:
hier stimmt was nicht!
Frage von Frau an „Mann“: „Ist was..?“
Antwort von „Mann“ an Frau:“ nein, alles bestens....“

Für „Mann“ eine ganz normale Antwort, weil:

für ihn ist die Angelegenheit, die sich momentan in seinen Gehirnwindungen festgesetzt hat, noch in Verarbeitung.
Also, blockt er ab: „nein, alles bestens...“
(setzt also nur eine Information ab!)
„Der Herr“ hat seinen Denkprozess noch nicht abgeschlossen.

(entschuldige bitte, mein "Herr und Gebieter", dass ich es wagte Dich beim Versuch des Denkens zu stören...) :oops:

Und sollte „Mann“ einmal ausser der Reihe, also Hochzeitstag, Geburtstag u.ä., Blumen mitbringen...
mein lieber deafmax:

100% habt „ihr“ dann ein schlechtes Gewissen
und habt was „angestellt“....
Ist immer ein schlechter Bestechungsversuch!!

Und hier sind wir wieder bei der Frage:
was wäre wenn....( „Mann“)....

oder so oder so ähnlich???!!!

(...und rede immer gern davon, wie schön Taubsein kann. Obs was bringt oder nicht, habe ich keinen Einfluss...)

deafmax: es hat unheimlich viel gebracht!! Sei Dir sicher!!
Du hattest Einfluss!!

Grüsse

:dogrun:

PS: wo bleibt eigentlich unsere eigentliche Person:
A U E R H A H N???!!!

:wavey:


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BeitragVerfasst: Mi, 28.4.04 21:37 
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Wohnort: Im schönen Oberösterreich
oh, ganz dieses thema übersehen....
gute frage, was wäre wenn ich auf einmal wieder hören könnte?ganz normal wie alle hören?
ich hab probiert mir das vorzustellen also:

o ich würde in ohnmacht fallen vor schreck
o ich hätte verfolgungswahn, überall geräusche...
o ich wäre ein nervenbündel
o ich könnte mich auf nichts mehr konzentrieren
o ich wäre nichts "besonderes" mehr
o ich wäre einfach nicht mehr "ICH"

tja, das sind meine ersten gedanken darüber...
beethoveny


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 9:29 
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Hier mein Gegenentwurf zu Beethovenys Liste, was wäre, wenn ich wieder hören könnte:

- ich könnte in all die schönen Konzerte gehen, Brendel, der Schubert spielt; Rattle, der Beethoven dirigiert; Giora Feidman, der die Klarinette zum juchzen und weinen bringt ....

- ich könnte ins Theater gehen, Shakespear, Goethe, Brecht, ....

- ich könnte wieder all die schönen, interessanten Filme im Kino und oder Fernsehen sehen, und müßte nicht mehr hoffen, dass die Filme untertitelt sind ...

- ich wäre kein Nervenbündel mehr, weil ich nicht ständig das Gefühl habe, wichtige Informationen am Arbeitsplatz zu verpassen und dadurch ins Hintertreffen zu geraten!

- ich könnte mit Leuten ganz zwanglos kommunizieren, beim Weinverkäufer über die verschiedenen Wein fachsimpeln; am Käsestand könnte ich mir einen dazupassenden Käse empfehlen lassen; und die renitenten Beamten könnte ich passend zurecht stauchen, weil ich mitbekommen, was für einen Schwachsinn sie labern!

- ich könnte mit Freunden nächtelang über Gott und die Welt reden und keiner von ihnen hätte nach einer Stunde einen lahmen Arm vom Schreiben!

- ich könnte mit all den Leuten kommunizieren, die sonst nicht mit mir kommunzieren können, weil sie z.B. so alt sind, dass sie nicht mehr schreiben, geschweige denn gebärden können.

- ich könnte Menschen "zuhören"!

Ich finde es merkwürdig, Beethoveny, sich als etwas "Besonderes" zu bezeichnen, nur weil man nix hört! Zu etwas "Besonderem" wird man vielleicht, weil man aus den Möglichkeiten, die man hat, das beste macht und vielleicht sogar noch mehr - unabhängig ob als Einarmiger oder Tauber oder als "Gesunder". Außerdem: ich wäre immer noch ich selbst, weil ich mich nicht nur über meinen "derzeitigen Zustand" definiere (hörend oder taub), sondern auch über mein Biographie, meine Geschichte und zu der gehören nun mal auch die "Brüche", die Veränderungen, seies die Ertaubung, sei es die hypothetische "Wieder-Hörung".

Allein, dieses Ereignis ist ein hypothetisches Ereigniss, dass nach menschlichem Ermessen nicht eintreten wird. Insofern geht diese Diskussion zum größten Teil an der Realität und den ganz realexistierenden Problemen vorbei, mit denen jene zu kämpfen haben, denen mitten im Leben stehend der Ton abgedreht wird. Diese Probleme verlangen zum Teil ganz handfeste, manchmal sogar relativ einfache, Lösungen. Es gibt aber auch schwierigere Probleme, an denen man länger knabbert. Fragen in der Art "Was wäre wenn ..." wirken da eher hinderlich, weil sie einen zur Flucht vor der Realität verleiten, die nun mal so aussieht: Ich höre nichts! Man kann diese Probleme lösen, aber ich glaube es bringt nichts, zu sagen: Es ist ganz leicht und es ist ganz schnell alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es verlangt Arbeit, an einem selbst und auch an seiner Umgebung. Aber es ist zu schaffen und dann stellt sich auch Glück und Zufriedenheit ein, wie Charly Brown es formuliert hat: "Ich bin glücklich, weil ich trotz Taubheit beruflich erfolgreich war ..."

@Deafmax: Du redest - wie es so schön heißt - wie ein blinder von der Farbe!

Pnin


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 10:48 
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Hi, Pnin,

ob deine Bemerkung, daß ich wie ein blinder von Farbe spricht, ironisch, sakrastisch oder echt ernst ist, kann ich nicht entnehmen. Jedem das Seine. Ich respektiere aber deine Sichtweise.

Nur: Es ist zwar wahr, "Hören würde ein Leben garantieren, wie die Hörenden leben". Jedoch stell dir vor, du wärest hörend und hast ein Ziel, die du als hörenden ganz schwer erreichen kannst. Z.B. beruflich ganz vorne zu stehen, an der Spitze der Karriere. Oder man wünscht sich besondere Fähigkeiten. Nur GANZ wenige davon wissen, daß sie das kaum erreichen können, weil sie wissen, daß über ihre Grenzen hinaus geht. Die meisten aber versuchen immer noch dran zu klammern und zerbrechen mehr oder weniger dran.
Es gibt nicht wenige Menschen die unglücklich sind, obwohl sie hören.
Ich weiss das aus der Familie, ich bin neutral geblieben, weil ich nicht immer alles mitbekommen habe. Ich habe den Fehler gemacht, mich zu (sehnlichst) zu wünschen, dass ich mitbekomme was meine Familie redet. Meine Eltern sind geschieden, da kann man sich denken was sich verbal zugetragen hat. Wenn ich meine Brüder anschaue, aus was sie geworden sind - selbst wenn es nichts schlechtes ist - bin ich doch froh, wie ich mit meiner Art geworden bin. Mir ist mein Person lieber :-)))
Es gibt noch auch viele andere Dinge, manchmal durch den Dolmis merke ich wie belanglose Sachen bei Hörenden geredet wird - schad um die Zeit - Oder wenn ich Emails von Hörenden lese, sie sind nicht anders, nicht wunderbarer, nicht "gescheiter", nichtusw. als ich.

Die Hörenden haben in vielen Bereiche gewiss Vorteile gegenüber Nichthörenden. Es liegen da aber Grenzen was man alles kann. Wäre ich hörend, hätte ich Fähigkeiten, die ich als Gehörlose nicht habe. Ich bin aber gehörlos und weiss, dass die Hörenden auch nicht meine Fähigkeiten haben. Ich gebe dir recht, Pnin, das Volumen an Vorteile eines Hörenden ist größer als die von Gehörlosen, doch der Differenz ist für mich nur eine Kleinigkeit an Menschsein wie wenn ich die Wahl zwischen braun und blond als Haarfarbe habe... Da bleibe ich bleibe bei meiner Haarfarbe :) Bin dunkelbraun :-)))

Pnin, ich gebe dir recht: das "waswärewenn"-Gedanken bringt nicht weiter und löst Probleme nicht. Genau deswegen habe ich mich dafür entschieden, mein Leben zu akzeptieren. Und das ist gewiss nicht einfach, da geht nichts leicht. Bei mir ist es vielleicht so einfach gewesen, weil ich gerade bei einer Familie wie die meinige aufwuchs. Die Handlungen, die Liebe, die Streitigkeiten und alles was ich im Laufe meines Lebens erlebt habe, ermöglichte mir das.
Ich kann mir denken, daß es bei anderen nicht einfach ist.

Ich interpretiere das "Besondersein" an sich, egal welche Andersartigkeit bzw. Merkmale man an sich selbst hat: Man wächst durch das Leben, man lernt dazu, man entwickelt sich und wenn man das mit Bewusstsein macht, weiss man, daß man viel erreicht hat. Das breitet Stolz auf sich selbst. Zu betonen dass man was besonderes ist, bedeutet für mich nicht, dass man was besseres ist als andere sind!
Was-wäre-wenn ich hören könnte, ist das nur eine Entscheidung für mich zwischen einem "Weiterleben" (Nein zu hören) oder einem Neubeginn zu entscheiden. Dabei könnte es passieren, daß ich zwar zweimal lebe, aber zu je einem halben, weil ich jetzt ungefähr in der Hälfte des Lebensaltererwartung befinde.
Doch vorsicht: Es ist ganz anders, wenn man spätertaubt ist und das hören noch ganz fest in Erinnerung hat! Ich bin jemand der das Hören nicht kennt.

CuDeafmax

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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 11:26 
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@Deafmax: Du schreibst ja selbst "Ich bin jemand der das Hören nicht kennt." ... das meinte ich mit dem Blinden, der von der Farbe redet! Es geht hier doch um Spätertaubte ... oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?

Es ist schön für Dich, dass Du Dich in Deinem Leben eingerichtet hast und glücklich bist. Ich gönne es Dir und freue mich auch für Dich. Nur, was Du schreibst hat mit den Problemen Spätertaubter wenig bis gar nichts zu tun. Ich verstehe z.B. nicht ganz, wo das folgende Beispiel hinführen soll: "Jedoch stell dir vor, du wärest hörend und hast ein Ziel, die du als hörenden ganz schwer erreichen kannst." Zunächst einmal sollte Dir klar sein, dass viele, die im Erwachsenenalter ertauben, sich von ihren ursprünglichen beruflichen Plänen verabschieden können, oder zumindest jetzt noch ein paar mehr Steine aus dem Weg räumen müssen, als vorher schon da lagen! Es gibt immer Grenzen und die Kunst besteht darin zu erkennen, welche Grenzen ich überschreiten kann und welche unüberwindbar sind. Letztere muß ich lernen zu akzeptieren! Dass dies Hörenden schwerer fallen sollte als Nicht-Hörenden ... halte ich für ein unbewiesenes Vorurteil!

Dann schreibst Du: "wie belanglose Sachen bei Hörenden geredet wird - schad um die Zeit". Ich frage mich allerdings, ob Gehörlose nie Dinge bereden, die für Außenstehende "belanglos" sind. Entschuldige, auf Grund des Forums hier, habe ich einen anderen Eindruck. Du übersiehst dabei aber auch die soziale Bedeutung von "small talk". Es ist wichtig, sich auch über - angeblich - belangloses zu unterhalten! Außerdem, wenn man neugierig ist, offen für andere, wird vieles, was auf den ersten Blick belanglos erscheint, interessant. Du kommst an Menschen leichter heran, wenn Du über den "small talk" beginnst, als wenn Du gleich mit der Tür ins Haus fällst und ihn fragst, ob er die familären Katastrophen, über die Du gerüchteweise informiert bist, gut verdaut hat ... na danke für's Gespräch!

Schließlich schreibst Du "Es liegen da aber Grenzen was man alles kann. Wäre ich hörend, hätte ich Fähigkeiten, die ich als Gehörlose nicht habe. Ich bin aber gehörlos und weiss, dass die Hörenden auch nicht meine Fähigkeiten haben." ... Hätte, könnte, dürfte, wäre ... zu viel Konjuntiv! Aber bleiben wir bei der Frage, wäre wäre wenn du plötzlich hören könntest, warum nimmst Du an, dass Du bestimmte Fähigkeiten, die Du jetzt hast und offenbar an Dir schätzt, verlieren würdest? Nur weil Du plötlich hörst? Welche Fähigkeiten sollen das sein? Außerdem, Du weißt doch, dass Du das kannst. Es läge also an dir, dafür zu sorgen, dass Du diese Fähigkeiten nicht verlierst! Da wird doch kein Automatismus losgetreten, man erweitert - lediglich - sein Fähigkeitsspektrum. Was man damit macht, liegt doch in Deiner und nur in Deiner Verantwortung!

Pnin


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 12:01 
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@Inuitdog
Was Mann oder Frau tun ist meiner Meinung nach egal. Es kommt einfach auf den Menschen an, wie man ist. Es ist üblich dass Frauen mehr Sozialgefühl haben als Männer, weil ich das an die Hormonen vermute die Frauen haben wenn sie Kinder austragen. Das Gefühl ein Kind zu gebären und dafür verantwortlich zu sein wirkt stark auf die Gesellschaft aus. Wenn alles wie wir jetzt leben andersrum oder verkehrt gewesen wäre, wäre ich mich trotzdem nicht sicher, ob die Frau anders wäre als der Mann.

Ich habe nur definitiv die Kommunikation gemeint. Wenn der Mann nichts sagt und alles im Hintergedanken behält wirkt es auf die Beziehung aus, weil die Frau das spürt, wie du geschrieben hast. Ich habe vielleicht das Glück, durch mein Leben drauf gekommen zu sein, dass das Leben schön sein kann. Menschen können Hoffnungen immer in sich tragen, aber ihnen ist es nicht bewusst, daß es nicht unbedingt notwendig ist und dass es was anderes gibt, daß mit dem man glücklich sein kann.

Ein Tranquilizer soll ich sein, :oops: freut mich. ...doch: Ich schreibe nur das was ich denke&fühle, wie du mir liest, weckt dir nur die Dinge in dir die du schon immer hattest - aber ruhte, oder es nimmt an Kraft zu. Eigentlich dein Verdienst allein ;)
Es heisst nicht selten, daß Medikamente auch psychisch Wirkung zusätzlich bringen: Wenn du das Medikament zu dir nimmst, hast du die Hoffnung "gesund" zu werden, da wird der Wunsch im Körper verstärkt. Mehr oder weniger arbeitet der Körper mehr und so wird man auch gesund.
Großartige Eigenleistung ;)

Herzliche Grüße
Ciaooo Deafmax

@Pnin, du missverstehst mir in Sachen Hörenkennen etwas. Das problem bei den Gehörlosen ist für mich vor allem die Kommunikation. Probleme zwischen Nichthörenden, wenighörenden, hörenden und untereinander ist alleine die Kommunikation. Das mit belanglose Sachen reden gilt auch für gehörlosen. Warum dann soll ich hören wollen, wenn das unter gl auch gibt?
Zudem ist es für mich ein Unterschied, etwas zu besitzen und etwas zu verstehen, selbst wenn man es nicht hat. Ich kann keine Beweise nahebringen, das Hören zu verstehen, ich kann nur versuchen zu überzeugen. Und das habe ich schon hier in einem anderen Thread geschrieben.

Zu deinem zweiten Absatz mit dem "Dass dies Hörenden schwerer fallen sollte als Nicht-Hörenden": Das meine ich nicht. Und wenn, dann ironisch. Ich halte es für Falsch das Leben danach zu richten, daß man als Hörender es leichter hat. Schon alleine das was-wäre-wenn-ich-hören-könnt'-Gedanken haltet einem auf Trab, daß man das Gefühl nicht mehr losbekommt, daß man "eingeschränkt" ist. Ertaubt man, ist es mehr oder weniger lange Prozess bis man wieder zurechtkommt und ich würde empfehlen, das Dasein mit dem Nichthören zu akzeptieren. Der soziale Umgebung, wo man das "Ich kann hören, du nicht" spürt drückt sehr stark. Wenn man aber überzeugt ist, daß man damit auch kein Probleme hat, kommt man leichter zurecht. Unser Disput erinnert mich an Halfmoon, der keine Millimeter davon weichen wollte, daß es um die Tatsache geht bzw. der Realität entspricht, daß Nichthören ein defekt, Einschränkung ... unvergesslich "Verstümmelung" ist. Menschen die so denken, haben mehr oder weniger damit Probleme im Leben zurechtzukommen, ob sie es zugeben oder nicht. Das gilt -für mich- auch für Spätertaubte.

Die Fähigkeiten... ich glaube dran, daß es für alles Grenzen gibt. Wärest du hörend, glaubst du, du hättest die Fähigkeiten die Gehörlosen haben? z.B. die Stille wahrzunehmen. Durchs hören wirst du dann leicht von vielen Dingen getrennt die du als nichthörenden hast. Ich bin überzeugt: Das Hören ist neben dem Leben der Körperfunktionen (Aktivitäten der Organe) das einzige, der IMMER aktiv ist. Überall wo du beim Bewusstsein bist, hörst du mehr oder weniger. Nur an GANZ seltene stellen, hörst du vielleicht nichts.
Das Empfinden der Stille wirkt für mich stark auf die Philosophie aus, auf die Wahrnehmung durch die Sinne. Würdest du hören, ist der Genuss dasselbe, nur unterschiedlich (ich meine die Werte der Genussfunktionen sind anders aufgelistet, kommen aber bei der Summe das gleiche heraus).
Das Einzige was dir bleiben könnte wäre dass du dich an das Nichthören erinnerst.

Okay, ich habe das übersehen, hier ist der Kategorie der spätertaubten. Ich werde schon wie ein wandelnes, saftiges Fleisch in einem Löwenkäfig angesehen. Aus Respekt lasse ich weitere Bemerkungen.
Schönen Tag noch
Deafmax

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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 12:29 
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@pnin
meine gedanken zum thema waren darauf gerichtet, was ich MOMENTAN wenn ich auf einmal wieder hören könnte, wohl empfinden würde. ich fühl mich einfach wohl in meiner „kleinen“ welt der gehörlosen freunde.
aber ob so oder so, wenn es wirklich so wäre, kann man wohl die gefühle kaum voraus sehen! du siehst es nur positiv. natürlich würd ich wohl nach der ersten zeit, wenn ich mich wieder an das hören gewöhnt habe, alles anders sehen. aber meine ersten gedanken dazu waren halt meine zeilen...
mit „etwas besonderes sein“ meine ich, daß ich mich geborgen fühle unter den gehörlosen, die eine überschauliche zahl haben. die hörenden sind so viele, daß ich einfach das gefühl habe, daß man als gehörloser irgendwie etwas besonderes ist....schwer zu erklären...aber vielleicht weißt du was ich meine!
@deafmax
sei gegrüßt du saftiges stück fleisch....roarrrrrrrr
beethoveny


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 12:38 
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Tag allseits, ich habe das Thema nicht wegen einer Illusion angeschnitten, sondern weil mir für mein Gefühl etwas zuviel über "nicht hören" diskutiert wurde.

@Iunitdog: zu Deiner Frage, was ich gerne hören würde...
In meiner Kindheit war ich im Sommer bei meiner Grossmutter auf dem Lande. Sommers standen die Fenster weit offen, Bäume rauschten manchmal und vor dem Haus lag eine Strasse, der Bauer kam immer in der Früh zwischen fünf und sechs mit dem Leiterwagen und den polternden Milchkannen, die schepperten. Davon wurde ich immer im Gitterbett wach. Gegenüber , vis a vis der Straße standen die Telegrafenmaste, auf den Leitungen saßen viele Vögel, die fingen zeitlich mit dem Morgenkonzert an und weckten mich. Diesen musikalischen Hintergrund würde ich gerne nochmals hören.

@Pnin

Deine Statements sind hart, aber Deine Ausführungen sind mir vertraut. Deine Ausführungen zu Deafmax sind wie Feuer und Wasser.
Aber Du hast recht mit Deinen Ausführungen, es gibt da nicht viel zu ergänzen. Realität pur.

Bei Deafmax muß ich immer vorsichtig sein, es ist irgendwie eine andere Anschauung. Alle Höflichkeit nützt nichts.


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 13:22 
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@Deafmax - kurz nur: Du schreibst eine Fähigkeit der Gehörlosen sei es "z.B. die Stille wahrzunehmen.". Dazu: Stille wird dann besonders eindrucksvoll, wenn sie in Kontrast steht zu etwas anderem. Dieses etwas ist das Gegenteil von Stille, nicht unbedingt Lärm, sondern überhaupt Töne! In der Musik gehören Pausen - Stille!!! - zu den eindringlischsten Stellen! Bach z.B. hat sie so eingesetzt ... da läuft's dir kalt den Rücken runter! Stille kann unterschiedliche "Stimmungen" haben. Sie kann beruhigen ("Himmlisch diese Ruhe"); sie kann beängstigen; sie kann stören etc. pp. Absolute Stille gibt es übrigens nicht, kann der Mensch auch glaube ich gar nicht ertragen. Man hat Probanden in absolut stille Räume gesperrt, die mit schalldichten Wänden versehen waren. Alle oder fast alle haben Tinnitus entwickelt! Insofern - lange Rede, kurzer Sinn - die Fähigkeit Stille warzunehmen, sie zu genießen, wenn es angebracht war, hatte ich schon vor meienr Ertaubung!

Noch ein Punkt. Du schreibst, man solle seine Umgebung überzeugen, "dass man damit auch kein Probleme hat". Diese Aussage ist sehr zwiespältig, weil sehr mißverständlich. Klar, man sollte seiner Umgebung deutlich machen, dass man mit der Taubheit leben kann, dass man nicht blöde ist, dass man fröhlich oder traurig sein kann, in diesem Sinne "normal" ist. Aber Taubheit stellt einen vor Probleme, ganz praktische! Was tun in einer Besprechung? Wie Dinge telefonisch erledigen (lassen)? Und so weiter und so fort! Es ist doch Augenwischerei, zu sagen: Da sind keine Probleme! "Doch! Da sind Problem, aber(!) ich weiß, wie man damit umgeht, wie man sie löst!" - das muß man seiner Umgebung deutlich machen!

Vielleicht sollte ich noch einmal kurz darstellen, worin die Motivation meiner Beiträge zu dieser Diskussion besteht: Die mehr oder weniger plötzliche Ertaubung im Erwachsenenalter ist ein Problem und zwar ein "ziemlich heftiges". Ich erwähnte schon einmal, dass unter Spätertaubten eine sehr hohe Selbstmordrate existiert. Dieses Problem kann man lösen - es geht! Aber - und deswegen schreibe ich hier - die Lösungsvorschläge die hier angeboten werden, sei es explizit oder implizit, kommen für viele (nicht alle!) nicht in Betracht! Was nützt mir - provokativ gefragt - zum Beispiel die DGS? Schöne Sprache, keine Frage! Spanisch wäre auch eine schöne Sprache! Nur, in meinem Freundeskreis spricht keiner die Gebärdensprache (da käme ich mit Spanisch ja fast noch weiter ;-)). Und vieles was ich ausdrücken will, kann ich nicht ausdrücken, weil dafür keine Gebärde gibt! ... Nur mal so als Beispiel ... zum Nachdenken!

Pnin


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 14:37 
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@pnin
natürlich gibt es probleme die man hat eben WEIL man nichts hört. wäre ja gelogen, wenn nicht. aber- eigentlich gibt es für jedes problem eine lösung. deafmax hat eine völlig andere einstellung als du, stimmt. und er ist auch nicht spät-ertaubt. trotzdem muss man vorwärts schauen und nicht der vergangenheit nachweinen. ich glaube, in der erinnerung ist alles viel viel schöner als es wirklich war. die phantasie arbeitet da fleissig mit. man stellt es sich soooo toll vor, wieder zu hören. ich bin etwas realistischer. ich glaube nämlich nicht an den traum vom völlig normal wieder-hören. ganz egal wie, ob mit einem wunder oder operation. es wird nicht das selbe hören sein wie man es in erinnerung hat. dazu sind die hörnerven schon viel zu verkümmert nach der langen zeit des taub-seins.
dabei bin ich keineswegs ein spielverderber, ich habe sehr viel phantasie. doch für meinen teil ist das "was wäre wenn ich wieder hören könnte" einfach nicht mit einem glücksgefühl verbunden. keine ahnung warum, aber ICH habe keinerlei lust mehr auf veränderung. ich finde mein leben toll so, wie es jetzt ist. 8 jahre hören, dann die gewaltige umstellung auf taub-sein, das hat auch lange gedauert. aber ich habe meinen inneren frieden gefunden, es ist gut so wie es ist! sonst würde ich auch keinen pnin im taubenschlag kennen.... :wink:
und keine frau auerhahn :P
und keinen deafmax :-)))
beethoveny


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 15:12 
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@Beethoveny: Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Ich halte auch nicht viel von diesen Was-wäre-wenn-Spielchen - wie bereits in meinem ersten Posting erwähnt! Und eines sollte vielleicht auch deutlich geworden sein, dass ich nämlich unbedingt dafür bin, die Problem anzugehen und sich eben nicht in irgendwelche Träumereien zu flüchten. In diesem Punkt hast Du sicherlich recht: Es ist ein Traum - ob auch in 42 Jahren ist mir im Moment ziemlich wurscht! Insofern ... hast Du einen großen Teil meiner Postings offenbar mißverstanden.

Aber: Aus meiner Sicht, aus der Sicht eines Spätertaubten (mit etwas über 30) ist das Gerede vom Taubsein-ist-Schön auch eine Flucht! Für einen Gehörlosen, der es nie anders kennengelernt habe, kann ich mir vorstellen, dass diese Einstellung okay ist!

Pnin


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 Betreff des Beitrags: Was wäre wenn..
BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 15:31 
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@beethoveny, die Frau Auerhahn läßt grüssen.

Ich verstehe Pnin in der Beziehung, dass er sehr musikalisch ist
und ihm die Musik abgeht. Man muß sich vorstellen, man hat eine bestimmte Freude mit der Sprache, sagen wir, zuhause geht es mehrsprachig zu zB.man muß schnell schalten, hat was zum Lachen, alleine am Wortspiel. Oder die Mutter spielt gerne Klavier, die Macht der Sprache erlebt er als Kind und dann ist es aufeinmal still. Das ist schon was.

In Schillers "Räuber" kommt der Satz vor "Frei sei der Mensch
frei ist er geboren..." und dann kommt die Realität mit einem Dolmetscher für Gebärdensprache in wichtigen Momenten. Das heißt die Kommunikation über eine dritte Person. Das muß man sich mal vorstellen bei einem sprachbegabten Menschen.

Also, die Frau Auerhahn läßt grüssen, bitte knall mich jetzt noch nicht ab.Ich habe noch was anderes vor.


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 Betreff des Beitrags: Re: Was wäre wenn..
BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 16:25 
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Auerhahn hat geschrieben:
Also, die Frau Auerhahn läßt grüssen, bitte knall mich jetzt noch nicht ab.Ich habe noch was anderes vor.


Ich hab aber Hunger!!!

*Auerhahn abknall*

:-))) :lol:

Greetz,


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 17:00 
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@ Auerhahn

(...Bäume rauschten manchmal..)

ja, wenn der Wind zart über die Blätter streicht
und die Blätter sich zart berühren...

(...der Bauer kam immer in der Früh zwischen fünf und sechs mit dem Leiterwagen und den polternden Milchkannen, die schepperten...)

der Wagen, der grosse Holzräder hat und
die unebenen Kopfsteinpflaster lassen die Kannen ihr hartes metallische Lied spielen...

(...Davon wurde ich immer im Gitterbett wach...)

...so, wie die Kinder vor Dir und nach Dir
zwischen die Gitterstäbe linsten.
Ihre beiden Höndchen die Holzstangen unklammern
und den Kopf druchstecken...
mit ihren Augen das Zimmer erklimmen...

(...Gegenüber , vis a vis der Straße standen die Telegrafenmaste, auf den Leitungen saßen viele Vögel, die fingen zeitlich mit dem Morgenkonzert an und weckten mich...)

...ja, und es erstaunt heute noch warum sie nicht runterfallen!
Ihre kleinen Kehlen plustern sich bei den Tönen auf
und man wundert sich wie viel Kraft in den Kleine da oben steckt...

Diesen musikalischen Hintergrund würde ich gerne nochmals hören.

....... danke....

vielen Dank!

Danke, Auerhahn!!


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BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 17:52 
@Deafmax,
du bist mit deiner Einstellung einfach zu beneiden! Diese würde ich gern haben. Daraus können wohl auch andere gl lernen. Denn kurz gesagt: So leicht war es für mich damals nicht, die Gehörlosigkeit mit einer Haarfarbe zu vergleichen, oder eben mit der Augenfarbe, und ich wegen der Gehörlosigkeit irgendwann mit ~ 17 erkannte, daß ich darin meine Grenzen hatte und im Berufswahl einschränken musste, während ich sonst immer kaum Mühe hatte irgendwas aufzunehmen. Und konnte damit früher erstmal auch nicht umgehen, irgendwo in etwas einschränken zu müssen, und ohne Frage, meine schulische Leistungen sackte ab, und hatte dann auch keine Motivation mehr. Vielleicht wäre es leichter gewesen, wenn ich nur dieses Problem mit der Berufswahl gehabt hätte, aber es kam noch ganz andere Problemchen hinzu, und alles gleichzeitig. Naja, das ist schon eine ganze weile her.

Und heute, denke ich immer noch so, daß es ist kein schlechtes Leben ist, weil man nicht hören kann, es kann durchaus lebenswert sein, NUR wenn man nichts vermisst, oder irgendwo nicht einschränken musste, oder nicht das Gefühl hat, irgendwo das Gehör zu brauchen. Und natürlich haben die Hörenden es nicht immer leichter. Aber das ist auch abhängig von jedem. Und ich denke es ist für einen Spätertaubten noch viel schwerer, diese Einstellung das du hast, zu gewinnen .....

@Pnin, sorry, wenn ich wieder hier was schrieb, und das eigentlich ein Thread für Spätertaubten ist, und so auch zum saftigen Fleisch für Löwenkäfig wurde….
Ich denke aber auch, daß es durchaus diese positive Einstellung wie Deafmax auch andere gl haben, und diese einfach zu beneiden sind, und schön für die, wenn die so mit dieser Ansichtssache durch die Welt gehen. Soll man auch lassen…

Gruß, Lea


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 Betreff des Beitrags: Was wäre wenn...
BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 21:06 
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@Patrick

Für Vierzehnjährige ist es besser, wenn sie unter sich bleiben.
Für Spätertaubte auch. Jeder hat seinen eigenen Wortschatz. Ich habe nie verstanden, warum Taubgeborene immer auch mit Spätertaubten über Taubheit reden wollen, es sind zwei verschiedene Welten. Die können nicht zusammenkommen.

Die vor dem Spracherwerb Ertaubten sind auch eigene Menschen. Man muss sie nehmen wie sie sind, damit fährt man besser. Auch Kinder, die taube Eltern haben sind anders als Kinder mit hörenden Eltern. Darüber zu streiten ist müssig.

Im Grunde genommen fährt man besser, wenn man den anderen respektiert, so wie er ist, aber zum "aussprechen" sucht man sich jemanden, der einen versteht. Für Dich als Vierzehnjährigen gelten andere Interessen, verstehe ich auch
und respektiere das auch, aber ich möchte zur Kommunikation was anderes. Der Witz, die Ironie, oder einfach der Spaß ist anders, man kann nicht gegen seine Natur.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 22:14 
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Seit über 40 Jahren kenne ich sehr viele Gl mit den
unterschiedlichsten familiären und beruflichen Umgebungen.
Die allermeisten sind positive Menschen und kommen im
Leben zurecht.
Aber kein Einziger hat jemals gesagt:"Ich bin glücklich,
weil ich taub bin".
Glücklich sind viele aus allen möglichen Gründen.
Und manche sind auch ewig unglücklich.
Das ist nicht viel anders als bei Hörenden.
An "Hören" verschwenden sie aber auch kaum einen Gedanken.
Den berufstätigen Gl ist es täglich mehr oder weniger
deutlich, das es die Hörenden sehr viel leichter haben.
Kaum ein Gl kommt beruflich über den Facharbeiter oder
qualifizierten Angestellten hinaus.
Relative viele Gl werden irgendwann im Leben mehr oder
weniger sauer auf hörende Kollegen, Nachbarn,
unverständige Beamte usw.

Ich glaube Pnin hat recht.
Es ist bei einigen, wenigen, Gl eine Verdrängung der Realität, wenn sie ständig betonen nicht behindert zu sein und mit Taubheit glücklich zu leben und keine Probleme mit der hörenden Umwelt zu haben.
Das gehört sich so in bestimmten Gl-Kreisen und wer zugibt,
mit der hörenden Umwelt Schwierigkeiten zu haben, gilt als "nicht selbstbewusst".


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: Do, 29.4.04 22:59 
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Zitat:
Liebe leute, freunde, ...feinde :(

ich bin nur ein Mensch. Ich gebe zu, ich schreibe vielleicht ziemlich viel herum, als was ich meinen will. mir hat einmal ein ein Freund geschrieben, ich bin jemand der keine schlußfolgerung akzeptiert.
Mag stimmen, ich habe auch Schwächen.
Okay, es ist wahr, man hat Probleme mit dem Nichthören. Mehr oder weniger, je nach dem früher oder später.
Nichthören, ist eine Behinderung. Eine Verstümmelung, exakt der Realität entsprechend, wie die Gesellschaft zu hören bevorzugt. Charly brown schrieb in einem anderen thread, es sei falsch zu erwähnen, ich sei nicht behindert nur taub und würde damit meinen, ich gehöre nicht zu den behinderten die diskrimminiert werden.
Ok, recht hat er. Es tut mir leid. Optisch gesehen Reihe ich mich zu den Behinderten, zu den menschen die es schwerer als sonst haben. Ich weiss nicht welches Problem ich da mit den Ohren habe, aber ich bin ein defekt, in materieller Hinsicht.

Aber ich erinnere euch dran: Wir sind Lebewesen. Ein Geschöpf mit Gefühl, Seele und Bewusstsein. Das Herz die wir tragen ist das lebendige Gut, von unschätzbaren Wert des Daseins. Ich stelle mir vor, der Wert, was wir mit unsere Herzen haben, stellt alles in den Schatten, alles wäre farblos und grau, ...nur die lebendigenen Herzen zeigt das schöne Rot.
Die Werte nimmt sich in unendlich unterschiedlichen Größe, kleiner oder größer, zu. Alles was wir Menschen denken und handeln beeinflusst dann die gesellschaftlichen Werte. Inakzeptanz, intoleranz, Macht, Geld, undsoweiter hin bis zum positiven Bescheidenheit, Liebe, Verständnis und Zusammensein undsoweiterfort. In der Dschungel dieser Vielfältigkeit gibt es gutes und schlechtes. Wir, die Behinderten, sind da größtenteils zum Opfer gefallen. Es gibt leider (noch) kein Wert für innere Frieden für alle.
Wird man plötzlich ertaubt, schlägt es einem vom Pfade der üblichen Leben des Gesellschaftes. Man irrt da umher, hilflos, kämpfend, mit Durck und Demut, nicht mehr denen zu entsprechen. Ich glaube dran, das wäre alles nicht paassiert. Ich bin vielleicht nur zur falscher Zeitpunkt existent, ich glaube dran, daß viel später es anders aussieht. (Aber ich bin froh jetzt auf Erden zu sein und alles im Leben und hier TS kenne)
Es ist reine philosophie, mir kann man ruhig als überdrehten nennen. Es geht nicht anders in der Welt in dem wir leben.

Ich sage ich bin taub und glücklich, weil das mein Leben ist. Alle Probleme die ich mit dem Taubsein habe ist genauso wie wenn ich mit nichttaubsein Probleme hätte. Ok, ich bekomme nicht alles mit wenn ich unter hörenden bin, ich bemerke defizite bei Untertiteln, ich sehe Barrikaden im Beruf undundund. Aber nicht nur ich bin das Problem, sondern die Menschen um mich. Der Bundeskanzler Schlüssel ist gegen die Gebärdensprache in der Schule, weil er eine Umfrage be den Eltern machte und sie sagten, sie wollen ihr gehörlose Kinder sprechen sehen. Und die Eltern haben Hoffnungen, daß ihre Kinder wiederhören, sie kennen und sehen das nicht anders. Daurm die ablehnung bei der Gebärdensprache. Ich glaube dran, das kann sich ändern. Wenn in 100 Jahre alles für die Gehörlosen leichter ist, warum jetzt aufregen? Ich weiss, ich bekomme das Hören nicht mehr. Und spätertaubten mehr oder weniger auch nicht mehr.

@pnin, Was ist da bitteschön die Lösung die du exakt haben willst. Mit CI bekommst du je früher du ertaubt bist und je später du es einsetzt immer noch nicht deine volle Hörfähigkeit zurück, bist trotzdem mehr oder weniger "behindert"! Nenne mir Beispiele der Lösungen? Der Liebe Gott hat es so gemacht, daß das Nichthören eben gibt. Und es ist nicht Lebenserfüllend damit im Gedanken und Seele herumzuschlagen, das man es besser hätte wenn man nicht hören könnte.
Es ist wahr, gehörlose können nicht telefonieren. Damit haben sie ein Problem. Sie können nicht hören, sie hätten es besser wenn sie telefonieren könnten, also was machen wir damit sie es können, das telefonieren?
Du hast ein telefon am ohr, kannst nicht hören und hast damit ein Problem. Ok, was dann? Ist es für dich also immer ein Problem, nicht telefonieren zu können, weil du nicht hören kannst. An deinem Sterbebett sagst du "wenn ich hören könnte, könnte ich telefonieren". Richtig und weiter?
Selbstverständlich ist das ein Problem, "aber es man kann es nicht ändern, wenn man es nicht ändern kann". Hm?
wohin soll das führen? Ist das die Lösung?

Okay, ich weiss immer noch nicht wie ich es schreiben soll.

Absolute Stille gibt es übrigens nicht, kann der Mensch auch glaube ich gar nicht ertragen. Diese unerträgliches Nichts, der leere "Klang" des Stilles, der gehörlose Raum, abslout taubes Feeling, der so erfüllende Leere im Hohlen, ...die unerträgliche Wahrnehmung im Körper des Seins, die man fühlt und dennoch nichts ist.
Hörenden kann ich nicht helfen, spätertaubten vielleicht, aber die Gehörlosen: schliesst eure Augen, konzentriert darauf was ihr fühlt, denkt nicht, träumt nicht. Diese Stille. Grauslich oder wunderbar...


Leute, das ist nur ein Thema, wo wir so weit gehen, daß wir absolut nicht kmpromissbereit sind. Aber über alle Dingen können wir reden, Freunde sein ;)
CuDeafmax


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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 6:44 
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Der letzte Beitrag stammt von einem Menschen, der sehr viel Zeit haben muss. Ich glaube nicht, dass das von Deafmax alleine ist, da sieht durch die Brille eines Hörenden dargestellt aus. Ich weiss nicht so recht.Na, "jedem das seine".

Das Thema wurde von mit angeschlagen mit dem Gedanken, was der Einzelne, der nicht hört, was er sich vorstellt, wenn es anders wäre. Ohne zu vergessen, dass es nicht geht.Was den Bundeskanzler angeht, der geht nicht in Elternvereine, der Mann hat andere Sorgen.Erst wenn er im Alter einmal schlecht hört, wird er sich erinnern.(wie üblich)

Ich bin nicht für "Leute ahoi", es ist heute ein schöner Tag, der Garten hat frisches Grün, die Wiese ist übersät mit Blumen. Es ist ein Erwachen der Natur in den schönsten Zügen. Mir fiel der Operntext ein "Freunde, das Leben ist lebenswert"... da wird mir schon wohler.
Man muss das Beste aus der gegebenen Situation machen.


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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 7:15 
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@auerhahn, pnin
okay. ich probiers mal anders.
also, würd ich wieder hören,
ich würde
keyboard spielen lernen :drinking:
in einer band und in „meiner“ kirche singen. rockigen gospel....ieahhhhhhhh..... :angel:
ich würde weiterhin mit meinen gl freunden spaß haben wollen ohne ihnen dauernd bewusst zu machen daß ich hören kann. und auf blöde bemerkungen seitens unwissender hörender, die uns beim gebärden zu sehen, antworten :evil:
ich könnte meine telefonate allein erledigen ohne dauernd wen fragen zu müssen und auch für die gl zum hörer greifen.
ich könnte wieder wurst bestellen ohne dass die verkäuferin fast in ohnmacht fällt wegen meinem gekrächze... :-?
meine wohnung wäre schneller sauber weil ich gleich merke dass meine tochter den staubsauger abgestellt hat oder der stecker rausgesprungen ist... :-)))
die nachbarn würden sich freuen, weil ich eben diese tochter gleich aus meinem auto verscheuche wenn sie zu hupen beginnt oder das radio auf volle lautstärke gedreht hat. :D
ich würd endlich denjenigen erwischen der furzt aber es immer abstreitet..... :-)))
aber ich würd mich nicht mehr bei zeltfesten extra zu den boxen setzen grins 8)
zufrieden???
beethoveny


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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 8:50 
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@Deafmax: Ich versuche es - nocheinmal - zu erklären. Allerdings ... langsam beschleicht mich das Gefühl, dass Auerhahn recht hat und Gehörlose und Spätertaubte "sind zwei verschiedene Welten. Die können nicht zusammenkommen.". Ich habe das lange nicht wahrhaben wollen, weil ich dachte, man könne mit einander kommunizieren.

Deafmax, ich will Dir Deine Einstellung nicht nehmen. Sie ist für Dich völlig in Ordnung, schön, toll ... was immer Du willst. Das Problem ist, dass sie - aus meiner Sicht - auf Spätertaubte nicht übertragbar ist, ihren Problemen nicht gerecht wird. Wie wenig du von diesen Problem verstehst - kein Vorwurf! - zeigt folgende Formulierung, dass Problem sei, duch die Ertaubung "nicht mehr denen [der Gesellschaft] zu entsprechen.". Nein, dieses Problem hat mich nur extrem peripher tangiert (auf gut Deutsch: Es ging mir haarscharf am A... vorbei). Es war vor allem das Problem, dass ich nicht mehr zwanglos mit meiner Umgebung, Freunden, Kollegen, dem Mann auf der Straße kommunizieren konnte. Ein ganz "einfaches" Problem, das sich aber innerhalb kürzester Zeit zu einer existentiellen Kriese ausweiten kann!

Deafmax, Du fragst "Was ist da bitteschön die Lösung die du exakt haben willst?" Was soll das? Wenn ich eine Lösung wüßte, würde ich es schon sagen! Dann würde ich auch hier nicht meine Zeit verschwenden und versuchen in der Diskussion zu lernen. Dann bringst Du das Beispiel Telefonieren und zeigst damit, dass du nicht verstanden hast. Es geht nicht darum, ständig und überall mit dem Handy am Ohr herumlaufen zu können - mich stört das auch! Aber es gibt Situationen, wo es nützlich wäre! Außerdem: Telefonieren ist doch nur eine andere Art der Kommunikation, womit wir wieder beim Grundproblem wären: Die Kommunikation ist erheblich erschwert! Dass ich das Telefonieren vermisse, habe ich übrigens nie gesagt.

Gut, zum Thema mögliche Lösungen: CI wäre eine Lösung, ja! Leider funktioniert das nicht immer! Und dann? Es gibt verschieden praktische Lösungen, die oft den guten Willen der Umgebung benötigen. Damit kann man viel (leider nicht alle) Probleme bezüglich der Kommunikation ausräumen. Dazu muß man der Umgebung aber erst einmal klar machen: "Ich bin taub!" Für viele Spätertaubte ist das aber ein Problem, was Du vielleicht nicht glauben wirst, aber es ist so! Sie flüchten sich dann in ihr Schneckenhaus, geben vor, sie hätten verstanden, obwohl sie kein Wort verstanden haben.

Es hilft also nichts, wenn man nicht akzeptiert, dass man taub ist und damit bestimmte Dinge nicht mehr möglich und bestimmte andere Dinge nur noch unter erschwerten Bedingungen realisierbar sind. In meinen Augen muß man diesen "Verlust", diese Behinderung akzeptieren. Das ist wie beim Tod eines einem nahestehendem Menschen. Am Anfang steht die Trauer, dann kommt vielleicht so etwas wie Wut, Agression und irgendwann die Akzeptanz. Das ist Arbeit an einem selbst. Akzeptieren heißt doch nicht zu sagen: "Es ist schön so!" sondern einfach nur: "Es ist so!". Ein Bild: Vor mir ist ein 5000 m hoher Berg. Ich kann jetzt sagen: Der ist nur 2000 m hoch und versuchen in zu besteigen, mit einer Ausrüstung, die für 2000er reicht. Oder ich akzeptiere: "Der ist 5000 m hoch!" und bereite mich entsprechend auf den Aufstieg vor!

In diesem Sinne

Pnin


P.S.: Deafmax, ich bin nicht Dein Feind. In solchen Kategorien denke ich nicht. Es ist verdrießlich, dass Du solche Kategorien in die Diskussion einbringst.


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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 9:53 
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@Pnin, Vorerst einmal das wichtigste: nicht du bist der "Feind", sonst würde ich auch hier gar nicht schreiben und wahrscheinlich auch nicht die Mühe geben, diplomatisch zu schreiben. Entschuldige, wenn ich mich nicht klar ausgedrückt habe.
Mit Feinde meinte ich diejenigen, diejenigen die Gehörlosigkeit als Defizit sehen und es mit allen Mitteln zu beheben versuchen (Ärzte, Pädagogen). Denn hier können alle lesen. Ich schreibs jetzt deshalb, weil über sie bisher kein Wort gefallen ist, sorry.
Ich geb auch zu, der Wortwahl war unglücklich gewählt, aber wie soll ich die sonst nennen? es war ein "Feind"-bezeichnung die keine kriegerische Absichten hat :roll:

Aber sonst, ...okay. Vielleicht hast du recht. Die Gefühle eines Menschen ist von außen bis zu "unmöglich" kontrollierbar. Du sprichst die Zeitraum an, vom Ertaubung hin bis zur Akzeptanz. Und ich habe vielleicht nur vom Zeitpunkt nach dem Akzeptanz geschrieben. Ich kritisiere das Leben der Gesellschaft während deiner angesprochenen Zeitraum, dass es auch anders gehen könnte. Warum gibts dann Menschen wie Inuitdog in einem anderen thread erwähnt, daß sie nicht mit Behindies und Krüppeln was zu tun haben wollen. Es ist nur ein ganz kleiner Körnchen, die von nicht optimalen Dingen fürs Leben sind, ...das scheinbar aus soviele Körnchen bis zu einem hohen Berg besteht.

Das mit dem Telefon: Es geht nocheinmal nicht darum daß telefonieren "erleichtert", oder dass ständiges Handy am ohr, ist doch völlig unwichtig. Es gibt im Supermarkt was zum Essen: Der Auswahl ist riesig, und du hast hunger, aber dir schmeckt NUR der Kokosnuss. Mit blossen händen kannst du den Kokosnuss auch nicht sofort brechen und das innere essen. Es gibt ja auch andere gute Nahrung als Kokosnüsse...
Ungefähr dasselbe sehe ich beim Kommunizieren: Ich kann auch schreiben, faxen, emailen, pagen, etc.
Okay, schon gut, die Auswahlmöglichkeiten als Alternative zum Telefonieren sind nicht so groß wie beim Essauswahl. Wir wären wieder beim Anfangspunkt. Ich habe einfach gelernt, das zu akzeptieren. Du wirst recht haben, daß ich damit ein Defizit habe. Aber für mich ist es einfach eine Sache, die ich ignoriere aber nicht verdränge. Ich habe zwar Alternativen, habe es dadurch halt schwerer und nicht so einfach wie beim telefonieren, aber das gehört für mich als tauben Menschen zum Leben.

Ich nenne es nicht Verdrängung, sondern Akzeptanz. Mir scheint, wir sind da einer Meinung, aber aus verschiedene Perspektiven. "Akzeptanz des Problems, des Behindertseins" vs "Akzeptanz, dass es einfach nicht geht und andere Wege gibt". Deine Sicht kann sich schlecht bei mir "einnisten", und meine bei dir ebenso. Aber wir sind uns sonst einig, ok!
Und zum Schluss: Ich möchte trotzdem mein Sichtweise immer behalten, daß ertaubten, schwerhörigen, gehörlosen, ci-trägern in gleicher Welt gehören.

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BeitragVerfasst: Fr, 30.4.04 12:12 
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@Deafmax:
Zum letzten Absatz: Nein


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BeitragVerfasst: Sa, 1.5.04 21:53 
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Auerhahn, warum sagst Du Nein zum letzten Absatz von Deafmax?
Ich habe den Eindruck, allmählich kommen Deafmax, Pnin
und ich auf einen akzeptablen gemeinsamen Nenner.

Deafmax, Du hast geschrieben:"ich bin taub und glücklich".
Das ist OK. Früher hast Du immer geschrieben:
"Ich bin glücklich weil ich taub bin". Das kann kein Ertaubter
OK finden und die allermeisten taubgeborenen Gl sagen das
auch nicht!
Vieleicht kennst Du nicht den sprachlichen Unterschied zwischen den beiden Sätzen?
Es ist eben sehr schwierig, nur schriftlich zu diskutieren.
Sogar hörende Professoren sind nicht sicher
vor Missverständnissen bei rein schriftlichen
Diskussionen im Internet.


Zuletzt geändert von CharlyBrown am Mo, 3.5.04 19:37, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: So, 2.5.04 4:10 
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Ich bin der Meinung, CI-Träger, Schwerhörige, Ertaubte, Taubgeborene sind so verschieden, man kann sie nicht alle in einen Topf werfen. Bei aller Akzeptant, Höflichkeit, Toleranz, es kommt so leicht zu Mißverständnissen bei verschiedenen Themen.


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BeitragVerfasst: Mo, 3.5.04 19:49 
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Auerhahn, da hast Du recht, ich habe auch oft gesagt,
die verschiedenen Gruppen Hörbehinderter sind sehr
unterschiedlich.
Aber alle Hörbehinderten haben das grundsätzlich
gleiche Problem: Leben in einer hörenden Welt ist mehr oder weniger schwierig.
Deafmax, stimmt, wir leben in einer Welt.
Aber es ist eine hörende Welt.
Und es hilft nicht, wenn Du diese Realität verdrängst und
"glücklich in der Gl-Welt" bist.
Du kannst nicht einmal sagen:Wir leben in einer Welt und
einige Sätze weiter schreibst Du, als ob Du in einer
"schönen Gl-Welt" lebst.


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BeitragVerfasst: Di, 4.5.04 6:11 
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@charly, ich mag für nicht wenige exorbitante Einstellung zur Gehörlosigkeit haben, aber verstehe es wer will.

Leben und leben lassen.

deafmax

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BeitragVerfasst: Sa, 8.5.04 20:47 
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Deafmax, Deine positive persönliche Einstellung zu Deinem
gehörlos sein ist OK. Aber wenn Du "exorbitant" sein
möchtest, ist das ganz Deine persönliche Sache.
Ich habe unter den Gl seit vierzig Jahren viele
gute Bekannte und FreundeInnen.
Die taubgeborenen oder frühertaubten Gl machen sich
keine Gedanken über hören.
Manche Gl sind glückliche Menschen, manche einfach zufrieden und viele sind leider garnicht zufrieden mit dem Leben in der
hörenden Welt. Und manche sind (wegen den Problemen
mit der hörenden Welt) "Stammkunden" bei Sozialarbeitern
und Seelsorgern.
Die meisten Gl leben einfach mit ihrer Taubheit, sie wissen,
die Hörenden haben viele Vorteile.
Aber kein Gl macht sich Gedanken über Hören und Stille.

Du schreibst viele schöne Gedanken zu Taubheit, Hören und Stille. Aber Du kannst Dich nicht an hören erinnern.
Vieleicht ist das Dein Problem?!
Erlebnisse und Erfahrungen, an die man sich nicht erinnert
(oder nicht erinnern will) kommen trotzdem immer wieder in
den Kopf und müssen verarbeitet werden.


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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn
BeitragVerfasst: Sa, 8.5.04 21:24 
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Ich habe zuerst mal im Duden nachgesehen, was genau "exorbitant" bedeutet, dh. also übertrieben. Ein etwas ungewöhnlicher Ausdruck im Alltag, man kann es ja auch einfach "deutsch" sagen. Aber es gibt nun mal Mitmenschen, die
es kompliziert machen müssen, damit die Leute sich wieder an den guten alten Duden auf dem Bücherregal zum Nachschlagen erinnern.

Zuerstmal stellt sich das Sprichwort" ...was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht...". Das ist Volksmund, nicht auf meinem Mist gewachsen. Also kann jemand, der nicht weiss, was die Sache soll, nicht über die Sache reden. Man soll ihn aber gewähren lassen, man kann nur dazulernen. Man soll das so verstehen und respektieren. Hühner legen nun einmal Eier und Kühe geben Milch, nicht umgekehrt.

Man stelle sich erst einmal vor, dass Deafmax mit einem grossen Transparent mit der Aufschrift " Ich bin glücklich" in Wien in der U-Bahn fahren würde. Er würde an der Endstation von netten Leuten in weißen Kitteln, die immer etwas freundlich grinsen, abgeholt werden. Da bin ich mir sicher.

Ich finde daher, es soll ein jeder reden was er will. Je älter man wird, umsomehr kommt die Einsicht, dass sich der Ärger mit Mitmenschen nicht lohnt. Es schadet nur der Schönheit, sich zu ärgern.(Auch ein Sprichwort).


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BeitragVerfasst: So, 9.5.04 21:50 
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Auerhahn, es wäre schlimm, wenn Deafmax von Männern in weissen Kitteln weggebracht wird.
Eigentlich ist er doch ein guter Mensch und der Taubenschlag
würde langweiliger ohne ihn.
Aber Du hast recht, mit dem Wort "glücklich" sollten alle
Menschen nur sehr sparsam und sehr persönlich umgehen.
Wenn ein Mensch immmer sagt:"Ich bin glücklich, weil...."
dann stimmt etwas nicht.
Es erinnert mich an Menschen aus der ehemaligen DDR.
Die haben vor vielen Jahren immer zu Besuchern aus dem
Westen gesagt:"Ich bin glücklich im Sozialismus".
Aber als 1990 alle Grenzen wegbrachen, waren diese
"Glücklichen Sozialisten" unter den Ersten, die in den Westen kamen.


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BeitragVerfasst: So, 9.5.04 22:06 
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Zitat:
Man stelle sich erst einmal vor, dass Deafmax mit einem grossen Transparent mit der Aufschrift " Ich bin glücklich" in Wien in der U-Bahn fahren würde. Er würde an der Endstation von netten Leuten in weißen Kitteln, die immer etwas freundlich grinsen, abgeholt werden. Da bin ich mir sicher.

DANKE, Auerhahn, ich bin davon beflügelt :-))) wenn ich diesen Situation in meine Träumen habe.
Real bin ich etwas sensibler, schätze ich. Ich habe nur niemandem gesagt, sie sollen, müssen so sein wie ich. Waluliso wurde auch nicht ins geschlossene Anstalt gebracht, sondern er verdiente Anerkennung. Jedem das Seine.

[aus Respekt editiert. deafmax]

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Zuletzt geändert von deafmax am Mo, 10.5.04 9:03, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: So, 9.5.04 22:20 
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@CB.
Ich weiss nicht welchen "glücklichsein" du verstanden hast. Es gibt mehrere Dinge dem glücklichsein zutrifft.
Bei mir geht es um das Glücklichsein (Def 1.), dem Dankeschön, daß ich auf der Welt bin. Das ich der bin, der deafmax heisst, der nicht hören kann. Ich erlebe Probleme tagaus, tagein. Ich bin auch oft unglücklich, aber das ist im gegensatz zum Glücklichsein (Def 1.), dass ich auf Erden bin, gar nichts. Unglücklichsein zu jedem Thema kann man spielen, ein Theater machen. Unzufriedenheit, nur weil man das leichter wollte, nur weil man sich es wünscht und nicht bekommt.
Und genaudieselbe "Glücklichsein" (Def.2) übers nichthören hat für mich keinen wert. Diese Art ist ganz wie du sagst Verdrängung und Flucht von der Realität. Diese Art von Glücklichsein, das man dem Leben selbst vorgaukelt ist recht fatal. Das kann einen kaputtmachen...
Ich mein mit dem Glücklichsein (Def 1.) von dem ich immer schreibe, die Zufriedenheit in meinem Leben. Das "Ja" zum Leben, das Sinn zum Leben.

Und ich gebe dir recht. Es ist NIEMALS leicht. Auch für Spätertaubten, die das Hören noch kennen. Aber ich halte es falsch - und das gilt für ALLEN - die mehr oder weniger an die Erinnerung halten, die mindestens ein negatives Bild abgeben ("Damals wars so schön, ich kanns heute nicht [mehr]"). Richtig finde ich dagegen, dran zu erinnern und es zu geniessen, daß man es erlebte. Zwar Vorbei aber unvergesslich. Das ist das positive.

Letztere ist eine Einstellung des Glücklichsein (Def 1.). Und diese habe ich. Das soll trotzdem nicht heissen ich bin besser als die anderen. Ich habe mir nur halt so entwickelt und habe fast immer nur das Gefühl, wie die anderen in Sachen "Glücklichsein" (Def 1.) mindestens ein Stück hinter mich stehen, bei das was nur das Gehörlossein allein betrifft. Dazu stehen viel zu viele mehr oder weniger negativ.
Das halte ich auch als Ursache, warum die Gehörlosen zu wenig zusammenhalten...

Gute Nacht.
Deafmax

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 Betreff des Beitrags: Was wäre, wenn ich hören würde
BeitragVerfasst: Mo, 10.5.04 4:29 
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@Deafmax
Deine häufige Betonung des "Glücklichseins" ist etwas ausgefallen und abgehoben. Ich habe noch niemanden getroffen, der dauernd betont, dass er glücklich ist. Aber "jedem das Seine" wie Du es immer gebetsmühlenartig wiederholst.Ich bin auch nicht unglücklich, würde es jedoch nicht betonen.
Es gibt viele gehörlose Menschen, die müssen härter im Nehmen sein. Sie haben keine andere Wahl.Aber das war nicht das Thema.


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BeitragVerfasst: Mo, 10.5.04 5:43 
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Wohnort: Össi
@auerhahn, verstehe wie du es möchtest.
dm

[Posting wurde aus Respekt von mir editiert. deafmax]

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Zuletzt geändert von deafmax am Mo, 10.5.04 9:01, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Was wäre
BeitragVerfasst: Mo, 10.5.04 5:55 
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@deafmax

Das Thema war, was wäre... Beethoveny hat es ganz gut getroffen. Du bist taub geboren oder im zweiten Lebensjahr ertaubt,ich bin später ertaubt. Das sind zwei Welten. Du mußt ja zum Thema nicht Stellung nehmen. Amen


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